Samstag, 11.02.2012

Uran
Ab 2015 wird es richtig teuer

Die Analysten von RBC Capital Markets haben sich mit der (Preis-)Entwicklung von Uran in den kommenden Jahren beschäftigt. Dabei gerät China mehr und mehr in den Fokus. Von dort wird in den nächsten Jahren eine immer höhere Nachfrage nach Uran kommen. Die Volksrepublik baut eine Reihe von Atomkraftwerken, die mit Uran angefüllt und betrieben werden müssen. Aktuell werden 20 Reaktoren gebaut, für 20 weitere Anlagen gibt es eine Genehmigung. Zusätzliche 37 Anlagen befinden sich in der Planung. Hier entwickelt sich ein neuer Nachfragegigant. Bisher erhält China einen Großteil des Urans aus Kasachstan, doch neue Quellen sind nötig, um den Hunger nach dem Energiebringer zu befriedigen.

Bau eines Reaktors in Japan, Foto: Cameco Corp.

Bau eines Reaktors in Japan, Foto: Cameco Corp.

Doch nicht nur China setzt künftig verstärkt auf Atomkraft. Dies zeigen die weltweiten Zahlen. Aktuell werden auf der Welt 436 Reaktoren betrieben, 53 Anlagen sind im Bau. 142 Kernkraftwerke werden derzeit geplant, zusätzlich gibt es Überlegungen zum Bau von weiteren 327 Reaktoren. Sollten alle Pläne realisiert werden, stehen mittelfristig 958 Kernkraftwerke auf dem Globus. Entsprechend werden sich die „Marktanteile“ bei der Nachfrage nach Uran verschieben. Liegen Europa und Nordamerika derzeit noch deutlich vorne, wird 2015 30 Prozent der Nachfrage aus dem Fernen Osten kommen, Nordamerika wird nur noch einen Anteil von 24 Prozent halten, Europa wird mit 34 Prozent noch der Hauptnachfrager sein.

Insgesamt erwarten die Experten in den kommenden 20 Jahren einen durchschnittlichen Anstieg der weltweiten Nachfrage nach Uran um jährlich 4,2 Prozent. Dabei zeigt sich ein Problem: Das Angebot wird nur um 4 Prozent wachsen – bis 2015. Danach wird die Situation schwieriger, da eine Reihe von Minen erschöpft sein werden. Derzeit ist noch unklar wie das Angebot dann auf ähnlichem Niveau erhalten werden soll.

Eine Konsequenz ist klar: Der Preis wird steigen. Zahlt man derzeit für ein Pfund etwas über 41 Dollar, kann sich der Preis bis 2015 verdoppeln. Dann soll der Uranpreis bei rund 80 Dollar / Pfund liegen. In der Folge sollte sich das Preiskarussell wieder beruhigen, bis zum Ende der Dekade werden Preise um die 60 Dollar erwartet, der langfristige Trend beläuft sich auf 55 Dollar.

Momentan ist der Uranpreis jedoch noch zu gering, um die Suche nach neuen Ressourcen wirklich zu forcieren. Wirtschaftlich scheint sich dies (noch) nicht zu rentieren. Für 2010 und 2011 scheint die Nachfrage durch langfristige Verträge zudem befriedigt zu sein. Aus diesem Grund senken die Experten von RBC sogar ihre Preiserwartung für 2010 und 2011 um jeweils rund 10 Prozent nach unten. So soll das Pfund Uran im laufenden Jahr durchschnittlich 44,50 Dollar kosten, im kommenden Jahr wird ein Preisanstieg auf 55 Dollar prognostiziert, die früheren Einschätzungen lagen bei 50 Dollar bzw. 60 Dollar.

Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wird sich in den kommenden Jahren aber deutlich vergrößern, wie die Anzahl der geplanten Atomanlagen rasch deutlich macht. Schätzungen besagen, dass 2015 etwa 250 Millionen Pfund Uran nachgefragt werden, das Angebot wird sich jedoch auf weniger als 225 Millionen Pfund belaufen. Bis 2020 wird die Schere noch größer. Das Angebot wird bei rund 225 Millionen Pfund bleiben, die Nachfrage könnte dagegen rund 110 Millionen Pfund höher liegen.

Spätestens dann werden Unternehmen wieder Interesse zeigen, zusätzliche Uranminen auszubeuten. Doch von der Erforschung bis zur Produktionsaufnahme werden Jahre vergehen. Dies scheint vielen noch nicht bewusst zu sein, so dass ein Trend derzeit noch verschlafen wird.

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