Montag, 20.02.2017
von Miriam Kraus in Rohstoff Daily

Alan Greenspan und das Gold - ein Mann mit zwei Gesichtern?

Miriam Kraus - Redaktion Investor Verlag

Miriam Kraus - Redaktion Investor Verlag

Liebe Leserin, lieber Leser, "Einen Goldstandard, in welcher Form auch immer, hat niemand auf dem Schirm. In der heutigen nahezu vollständigen Umklammerung durch Fiat-Währungen und freie Wechselkurse hat der Goldstandard nur wenige Befürworter. Dennoch weist Gold spezielle Eigenschaften auf, die keine andere Währung für sich in Anspruch nehmen kann, mit der etwaigen Ausnahme Silber.

Seit mehr als 2 Jahrtausenden hat Gold nahezu unbestrittene Akzeptanz als Zahlungsmittel. Es hat dabei niemals die Kreditgarantie durch eine dritte Partei bedurft. Wenn Gold oder direkte Ansprüche auf Gold zur Bezahlung einer Verbindlichkeit eingesetzt werden, wirft dies keine weiteren Fragen auf.

Während der letzten Tage des II.Weltkriegs war es beispielsweise die einzige Form der Bezahlung, welche Exporteure nach Deutschland noch akzeptieren wollten. Heute beruht die Akzeptanz von Fiat Geld (eine Währung die nicht durch einen Vermögenswert mit innerem Wert gedeckt ist) auf der Kreditgarantie souveräner Staaten die mit einer wirksamen Steuerertragshoheit ausgestattet sind - eine Garantie die im Krisenumfeld nicht immer an die allgemeingültige Akzeptanz von Gold heranreicht.

Wenn der Dollar oder irgendeine andere Fiat Währung ebenso zu allen Zeiten allgemeingültig akzeptiert wären, dann würden Zentralbanken keinen Grund sehen Gold zu halten. Die Tatsache dass sie es tun zeigt an, dass solche Fiat Währungen kein allgemeingültiges Substitut sind. Von den 30 wirtschaftlich fortgeschrittenen Ländern, die dem Internationalen Währungsfonds berichten, halten nur 4 kein Gold als Teil ihrer Reserven in der Bilanz. Tatsächlich liegt der Wert des Goldes, welches von den Zentralbanken entwickelter Volkswirtschaften gehalten wird bei 762 Milliarden US-Dollar (31.12.2013), das entspricht 10,3% der gesamten Bilanzreserven. (Zudem hält der IWF weitere 117 Milliarden US-Dollar in Gold).

Falls Gold also ein „barbarisches Relikt" wäre, wie es der britische Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes bezeichnet hatte, dann würden die Zentralbanken rund um die Welt nicht so viel von einem Vermögenswert lagern, dessen Rendite inklusive der Lagerhaltungskosten, negativ ist."

Alan Greenspan im Aufsatz „Golden Rule - Why Beijing is buying" in Foreign Policy vom 29.09.2014

Alan Greenspan - der Mann mit den zwei Gesichtern?
Greenspan, in dessen Amtszeit als FED-Notenbankchef von 1987 bis 2006 eine der extremsten Formen des Geldmengenwachstums (ab 1993 und besonders ab dem Jahr 2000) fiel, hatte nur einige Jahrzehnte zuvor regelrecht für einen Goldstandard geworben.

Der Mann, der für den Beginn der extrem lockeren Geldpolitik in mindestens ebenso extremer Dynamik steht, der Mann also, der nach allem was sich in seiner FED-Zeit beobachten ließ, wohl kaum als Verfechter eines straffen Notenbankkurses gelten kann, hat tatsächlich nur einige Jahrzehnte vor seiner FED-Zeit einen Goldstandard propagiert.

Das ist wie Feuer und Wasser, Gut und Böse, Geld drucken und Geldmengenwachstum einschränken. Also was ist los mit Alan Greenspan? Leben in seiner Brust zwei Seelen, Dr. Jekyll und Mr. Hyde?

Diese Frage haben sich Beobachter schon immer gestellt, seit die FED-Politik Greenspans in den 90ern so gar nicht mit dem übereinstimmen wollte, was er einst 1966 in Ayn Rands Newsletter schrieb. Diese Frage wird wohl immer nur Greenspan selbst für sich beantworten können. Am 29.September des Jahres 2014 aber hat Greenspan offenbar einen Versuch unternommen seine früheren Aussagen etwas zu relativieren, zu modernisieren und in einen aktuellen Kontext zu bringen, der ihn nicht allzu dumm dastehen lässt. Ob ihm das gelungen ist, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden. Ich finde nicht falsch, was er das geschrieben hat, zumindest die beiden Absätze, die ich oben für Sie übersetzt habe.

Goldstandard wohl eher fürs nächste System
Leider wäre ein traditioneller Goldstandard heute wirklich schwer praktikabel. Abgesehen von der abartigen Höhe des Goldpreises, die dieser erreichen müsste, kann ich mir gar nicht vorstellen, wie die überdimensional aufgeblähten monetären Systeme noch unter einem echten Standard mit realen Vermögenswerten Bestand haben könnten. Nein, ein Goldstandard ist wohl eher etwas für das nächste System, sobald das aktuelle schließlich endlich in sich zusammengebrochen ist.

Trotzdem sollte jeder (ob Goldbulle oder nicht) den alten Aufsatz aus dem Jahr 1966 unter dem Titel „Gold und wirtschaftliche Freiheit" von Alan Greenspan kennen. Denn ungeachtet dessen, dass Greenspan sich selbst in der Praxis völlig über Bord geworfen hat, ist der Mann dennoch einer der großen Denker unter den Ökonomen und gerade dieser Aufsatz m.E. absolut brilliant.

Deshalb habe ich den kompletten Aufsatz für Sie übersetzt. Aufgrund der Länge teile ich ihn in 3 Teile auf. Teil 1 gibt es heute, die nächsten Teile dann in den [nächsten] Ausgaben [...]. Viel Vergnügen beim Lesen....

Gold und wirtschaftliche Freiheit
Der Aufsatz "Gold and Economic Freedom" wurde zunächst 1966 in Ayn Rands Newsletter "Objectivist" veröffentlicht und 1967 in dem Buch "Capitalism, the Unknown ideal" von Ayn Rand neu aufgelegt. Der Verfasser Alan Greenspan (von 1987 bis 2006 FED-Notenbankpräsident und als solcher bekannt für den Beginn einer maßlos lockeren Geldpolitik) gehörte in den 60ern zum intellektuellem Kreis der Autorin. Ich habe den Aufsatz für Sie übersetzt und mit Zwischenüberschriften für eine bessere Übersichtlichkeit versehen.

Nun, genug der Worte, lassen wir Mr. Greenspan sprechen....:

Staatslenker sind gegen den Goldstandard
Eine geradezu hysterische Feindschaft gegen den Goldstandard verbindet Staatsinterventionisten aller Art. Sie spüren offenbar klarer und sensibler als viele Befürworter der freien Marktwirtschaft, daß Gold und wirtschaftliche Freiheit untrennbar sind, daß der Goldstandard ein Instrument freier Marktwirtschaft ist und sich beide wechselseitig bedingen. Um den Grund ihrer Feindschaft zu verstehen, muß man zunächst die Rolle des Goldes in einer freien Gesellschaft verstehen.

Geld fördert die Arbeitsteilung
Geld ist der gemeinsame Maßstab aller wirtschaftlichen Transaktionen. Es ist der Rohstoff, der als Tauschmittel dient, der von allen Teilnehmern einer Tauschgesellschaft als Bezahlung ihrer Güter und Dienstleistungen akzeptiert wird und der von daher als Bewertungsmaßstab und zur Wertaufbewahrung für das Sparen dient. Die Existenz eines solchen Rohstoffes ist Voraussetzung für eine arbeitsteilige Wirtschaft. Wenn die Menschen keinen objektiv bewertbaren Rohstoff hätten, der allgemein als Geld akzeptiert werden kann, so wären sie auf primitiven Naturaltausch angewiesen oder gezwungen, autark auf Bauernhöfen zu leben und auf die unschätzbaren Vorteile der Arbeitsteilung zu verzichten. Wenn die Menschen kein Mittel zur Wertaufbewahrung, d.h. zum Sparen hätten, wären weder eine langfristige Planung, noch ein Austausch möglich.

Metall als dauerhaftes Tauschmittel
Welches Tauschmittel von allen Wirtschaftsteilnehmern akzeptiert wird, kann nicht willkürlich bestimmt werden. Zunächst sollte das Tauschmittel dauerhaft sein.

In einer archaischen Gesellschaft könnte zum Beispiel Weizen ausreichend „dauerhaft" sein, um als Tauschmittel zu dienen, da alle Tauschvorgänge nur während der Ernte oder unmittelbar danach stattfinden würden, ohne daß große Werte gelagert werden müßten. Aber sobald Wertaufbewahrung bedeutsam wird, wie in der modernen Gesellschaft, muß das Tauschmittel ein dauerhafter Rohstoff sein, üblicherweise ein Metall.

Vorteile des Metalls
Ein Metall wird üblicherweise deshalb gewählt, weil es gleichartig und teilbar ist. Jede Einheit ist die gleiche wie jede andere und es kann in beliebiger Menge verformt und vermischt werden. Wertvolle Edelsteine z.B. sind weder gleichartig noch teilbar. Nehmen Sie zum Beispiel Diamanten, wo praktisch jeder Stein ein Unikat ist, dessen tatsächlichen Wert der Laie gar nicht bestimmen kann.

Noch wichtiger ist: der als Tauschmittel gewählte Rohstoff muß ein Luxusgegenstand sein. Das menschliche Bedürfnis nach Luxus ist unbegrenzt und deswegen werden Luxusgüter immer nachgefragt und auch immer akzeptiert. Weizen ist ein Luxusgut in einer unterernährten Gesellschaft, aber nicht in einer Wohlstandsgesellschaft.

Zigaretten würden normalerweise nicht als Geld dienen, aber nach dem 2. Weltkrieg wurden sie in Europa als Luxusgut betrachtet.

Der Begriff Luxusgut beinhaltet Knappheit und hohen Wert pro Einheit. Da es einen hohen Wert pro Einheit besitzt, läßt sich solch ein Gut leicht transportieren. Eine Unze Gold z.B. hat den Wert von 1/2 Tonne Eizenerz.

Gold kristallisiert sich als Tauschmittel heraus
Auf den ersten Stufen einer sich entwickelnden Geldgesellschaft mögen mehrere Tauschmittel benutzt werden, da zahlreiche Rohstoffe die jeweiligen Anforderungen erfüllen können. Mit der Zeit wird jedoch ein Rohstoff alle anderen verdrängen, weil er größere Akzeptanz findet. Die Vorliebe für das, was der Wertaufbewahrung dienen soll, wird sich auf den am meisten verbreiteten Rohstoff konzentrieren, was diesen wiederum noch mehr Akzeptanz finden läßt. Diese Entwicklung wird sich verstärken, bis dieser Rohstoff zum einzigen Tauschmittel wird. Der Gebrauch eines einzigen Tauschmittels hat große Vorteile, und zwar aus den gleichen Gründen wegen deren eine Geldwirtschaft einer Naturaltauschwirtschaft überlegen ist. Es ermöglicht einen Austausch in ungleich größerem Umfang. Ob dieses eine Medium nun Gold ist, Silber, Muscheln, Vieh, oder Tabak, ist beliebig und abhängig von dem Umfeld und der Entwicklung der jeweiligen Gesellschaft. In der Tat wurde dies alles zu verschiedenen Zeiten als Tauschmittel verwendet. Sogar in unserem Jahrhundert wurden zwei bedeutende Rohstoffe, nämlich Gold und Silber, als internationales Tauschmittel benutzt, wobei Gold das beherrschende wurde. Gold, das sowohl künstlerischen als auch funktionalen Gebrauch findet und relativ knapp ist, wurde immer als Luxusgut betrachtet. Es ist dauerhaft, leicht zu transportieren, gleichartig, teilbar und hat deshalb bedeutende Vorteile gegenüber allen anderen Tauschmitteln. Seit Beginn des 1. Weltkrieges ist es praktisch der einzige internationale Tauschstandard.

...Ende 1. Teil....

So long liebe Leser...es fängt ja schon sehr interessant an, finden Sie nicht?![..]liebe Grüße....

Ihre Miriam Kraus






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