Preisentwicklung
China übt massive Kritik an Eisenerzproduzenten
2010 soll die Rohstahlproduktion weltweit um rund 9 Prozent ansteigen. Bei der Produktion von Stahl werden vor allem Eisenerz und Kokskohle eingesetzt. So müssen zur Herstellung einer Tonne Rohstahl etwa 1,5 Tonnen Eisenerz eingesetzt werden, hinzu kommen 600 Kilogramm Kokskohle. Doch gerade Eisenerz wird derzeit wieder teurer, die Erzproduzenten ziehen die Preise an, was sich bei den Stahlpreisen bemerkbar macht.
Die Preissteigerung beläuft sich auf bis zu 110 Prozent für Eisenerz, Kokskohle kostet etwa 90 Prozent mehr. Besonders große Stahlproduzenten klagen über diese Entwicklung, die sich sogar negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken könnte. In China zieht man aus den Preiserhöhungen unterdessen erste Konsequenzen.
Das asiatische Land ist der weltweit größte Verbraucher von Eisenerz. Etwa 70 Prozent aller Eisenerze werden nach China geliefert. Entsprechend groß ist die Hoffnung, den Rohstoff möglichst günstig einkaufen zu können. Schon im abgelaufenen Jahr hat China einen Sonderweg gewählt, man hat sich das Eisenerz vor allem auf dem Spotmarkt besorgt. Dies war für die Einkäufer billiger als langfristige Verträge mit den Produzenten abzuschließen.
Die aktuelle Entwicklung ist jedoch gegenläufig, China kann den Sonderweg nicht mehr gehen. Die Preissteigerungen werden für chinesische Abnehmer zum Problem. Offizielle chinesische Stellen wollen sich damit jedoch nicht abfinden. Sie werfen den Erzproduzenten vor, dass sie die Preise möglicherweise künstlich nach oben bringen. Konkret geht es um den Verdacht, dass die drei größten Eisenerzproduzenten der Welt eine Monopolstellung ausüben und so die Preise für Eisenerz bestimmen. Der Vorwurf richtet sich dabei konkret gegen Vale SA, BHP Billiton und Rio Tinto.
Die drei großen der Branche wollen in Zukunft keine Jahresverträge zur Lieferung von Erz mehr abschließen. Diese würden die Erzeuger zu lange binden, da gleichzeitig die Preise festliegen würden. Stattdessen will man künftig nur noch kürzere Vertragslaufzeiten akzeptieren, angedacht ist beispielsweise eine dreimonatige Laufzeit. Ein solches Vorgehen würde Preissteigerungen weiter erleichtern. Allerdings ruft diese Entwicklung die chinesischen Kartellbehörden auf den Plan, die die Angelegenheit untersuchen wollen.
Noch schwieriger wird die Situation für alle Einkäufer durch den geplanten Zusammenschluss der Erzaktivitäten von BHP und Rio Tinto. Die beiden Konzerne haben bei der Eisenerzproduktion einen gemeinsamen Marktanteil von mehr als 40 Prozent. Vale bringt es auf 33 Prozent. Diese Marktdominanz stärkt die Macht der Produzenten, sie können bei Preisverhandlungen noch intensiver auftreten. Ob der Markt weitere Preiserhöhungen bei den Rohstoffen jedoch an die Kunden weiterreichen kann oder ob die Stahlnachfrage dadurch zurückgeht, ist unklar. Hierzu hat sich bei Beobachtern noch keine einheitliche Meinung gebildet.
Nicht nur die chinesischen Behörden beobachten die aktuelle Entwicklung mit Sorge. In Europa laufen derzeit ebenfalls Untersuchungen, ob die drei Konzerne ihre dominante Stellung am Markt missbrauchen. Die World Steel Association (WSA) fordert die Behörden gleichfalls auf, den Erzmarkt genau zu untersuchen. Der fehlende Wettbewerb beunruhigt die Stahlvereinigung. Bei der WSA beklagt man sich über die wettbewerbsfeindliche Natur des Geschäfts.
Die Europäische Kommission untersucht derzeit den Zusammenschluss der Erzaktivitäten von Rio Tinto und BHP. Möglicherweise ergibt sich hierbei ein Ansatzpunkt, die Wettbewerbsbedingungen zu ändern. Bei anderen Wettbewerbsuntersuchungen, z.B. bei Microsoft, hat die Kommission Teilerfolge erringen können. Beobachter setzen darauf, dass dies im Erzsektor ebenfalls möglich sein könnte.
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- Kurssturz: Rio Tinto beschuldigt Vale nach Eisenerz-Preisrutsch 25.10.
- Schwellenländer als Treiber: Rohstoffpreise - Tendenz steigend 22.8.
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