Morgan Stanley
China wird wahrscheinlich kein Gold vom IWF kaufen
Als der Internationale Währungsfonds (IWF) vor einigen Monaten ankündigte, dass man 403,3 Tonnen Gold verkaufen wolle, dachten wohl die meisten Marktteilnehmer, dass China der logische Käufer wäre. Das Reich der Mitte hatte bereits damals klar gemacht, dass es den Anteil des US-Dollar an seinen Währungsreserven senken will. Doch stattdessen war es Indien, dass sich 200 Tonnen des IWF-Goldes sicherte.
Wer wird die restlichen Goldbestände des IWF kaufen? Nach Ansicht der Analysten von Morgan Stanley ist China immer noch der offensichtlichste Kandidat. In einem aktuellen Bericht wiesen sie darauf hin, dass China durch den Erwerb des restlichen IWF-Goldes seine Bestände um bis zu 19 Prozent anheben würde, wenn man von den 1.054 Tonnen Gold ausgeht, die die Chinesen im April meldeten.
Doch die Experten sind nicht überzeugt, dass China das Gold tatsächlich kaufen wird. Sie weisen darauf hin, dass das Land mittlerweile der größte Goldproduzent der Welt sei und die eigene Produktion kaufen könnte. Damit würde China das Risiko senken, hohe, stark am Weltmarkt orientierte Preise zahlen zu müssen. Entsprechend geht Morgan Stanley davon aus, dass das chinesische Interesse an den Goldbeständen des IWF mit steigendem Goldpreis sinke. Womit auch die Wahrscheinlichkeit sinke, dass das IWF-Gold nicht am offenen Markt veräußert werde, so die Analysten.
Dennoch gehen sie davon aus, dass der Goldmarkt, angesichts des reduzierten Goldüberschusses beim IWF und auf Grund der anhaltend lockeren Geldpolitik zur Stützung der Wirtschaft, auch ohne chinesische Käufe steigen könnten.
Morgan Stanley führte darüber hinaus aus, dass die indischen Goldkäufe ein Zeichen seien, dass die Richtung des Goldpreises in nächster Zeit in den Händen der Zentralbanken liege. Die Ansicht, dass die Zentralbanken nun Nettogoldkäufer seien, werde durch die Haltung der US-Notenbank fed, den Anstieg der US-Arbeitslosenquote und die anhaltende Unterstützung der G20-Finanzminister für weitere Konjunkturprogramme gestützt. All diese Faktoren würden auf weitere US-Dollarschwäche und langfristig auch auf Inflationsrisiken hindeuten, schrieben die Analysten weiter. Sie rechnen für 2010 mit einem durchschnittlichen Goldpreis von 1.000 Dollar je Unze.
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