Mittwoch, 08.02.2012

Das Angebot wird knapp
Chinas restriktive Strategie rückt Seltene Erden in den Fokus

In den vergangenen Wochen hat sich eine Rohstoffgruppe in den Vordergrund gespielt, die vielen Anlegern noch immer wenig bekannt sein dürfte. Vor allem eine mögliche Verknappung des Angebots durch Exportbeschränkungen des größten Anbieters weltweit China, hat die Gruppe der Seltenen Erden in den Fokus der Investmentgemeinde gebracht.

Frisch gebrochenes Karbonatit, das sich nach kurzer Zeit am Sauerstoff rötlich färbt, vom Blue-River-Projekt von Commerce Resources

Frisch gebrochenes Karbonatit, das sich nach kurzer Zeit am Sauerstoff rötlich färbt, vom Blue-River-Projekt von Commerce Resources

Der Markt für Seltene Erden ist ziemlich klein und der Handel relativ illiquide: Die Nachfrage beträgt weltweit gerade einmal 125.000 Tonnen pro Jahr. Selten Erden finden diverse Anwendung, unter anderem bei der Herstellung von Starkmagneten oder in vielen elektronischen Geräten.

Experten schätzen das Nachfragewachstum der letzten Jahre auf jährliche 10 Prozent, allerdings gibt es auch Erwartungen, dass sich dieses Wachstum in den kommenden Jahren deutlich beschleunigen wird. Vor allem auf Grund eines steigenden Einsatzes Seltener Erden in „grüner“ Technologie wie beispielsweise den Batterien für Hybridautomobile oder bei Windturbinen.

Und das könnte zum Problem werden. Denn mehr als 90 Prozent des weltweiten Angebots stammen aus der Volksrepublik China. Und wenig überraschend will China einen größeren Teil seiner Ressourcen für sich behalten.

In den vergangenen Wochen hat die chinesische Regierung darüber diskutiert, Exportbeschränkungen für einige Metalle aus der Gruppe der Seltenen Erden einzuführen und die Ausfuhr anderer ganz zu verbieten. Die Chinesen scheinen besonders darauf erpicht, ihre Vormachtstellung im Sektor für Seltene Erden dazu zu nutzen, die Wert schöpfende Produktion im eigenen Land zu stärken.

Und China scheint seine Kontrolle auf den Rest des Marktes für Seltene Erden ausbauen zu wollen. In den letzten Monaten haben in Staatsbesitz befindliche Firmen versucht, sich an zwei ausländischen Minenfirmen, die in diesem Bereich aktiv sind, zu beteiligen, und zwar an den australischen Firmen Lynas Corp. und Arafura Resources.

Doch da wurden, unter anderem, die Sorgen deutlich, dass China den Seltene Erden-Sektor zu sehr dominieren könnte: Die australischen Behörden legten ihr Veto gegen die auf 220 Millionen US-Dollar angelegte Beteiligung von China Non-Ferrous Metal Mining Group Co an Lynas ein, die dem chinesischen Unternehmen eine Mehrheit an Lynas verschafft hatte. Gleichzeitig wurde am gestrigen Donnerstag bekannt, dass China Investment Corp. sein eigenges Seltene Erden-Unternehmen starten könnte.

In den USA existiert nur eine einzige Quelle für Metalle der Seltene Erden-Gruppe. Die Mountain Pass-Mine in Kalifornien befindet sich im Besitz der Privatfirma Molycorp Minerals LLC. Auch in Kanada gibt es nur wenige Möglichkeiten, im Sektor Seltene Erden mitzuspielen. Das bekannteste Junior-Unternehmen ist wohl Avalon Rare Metals (WKN A0RF6R), das über verschiedene Liegenschaften in fortgeschrittenen Entwicklungsstadien verfügt und in den kommenden vier Jahren in Produktion gehen will. Die Aktien des Unternehmens haben seit dem Frühjahr bereits um rund 350 Prozent zugelegt.

Nicht ganz so weit ist die ebenfalls kanadische Commerce Resources (WKN A0J2Q3) mit ihren Projekten Blue River und Eldor. Allerdings hat sich auch der Kurs seit Jahresbeginn zwar stark, aber bei weitem noch nicht so spektakulär wie bei Avalon entwickelt.

Dass bei beiden Unternehmen die Produktion noch in mehr oder weniger großer Ferne ist, könnte sogar ein Vorteil sein. Denn derzeit reicht das Angebot an Seltenen Erden nach Meinung von Experten völlig aus. Die große Frage aber ist, woher in drei, vier Jahren das Angebot kommen soll, um die dann voraussichtlich wesentlich höhere Nachfrage zu befriedigen.

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