Mittwoch, 18.01.2017
Miriam Kraus

Der Silberadler und Frohe Weihnachten

Miriam Kraus - Redaktion Investor Verlag

Miriam Kraus - Redaktion Investor Verlag

Liebe Leserin, lieber Leser,ein neues Weihnachtsfest steht vor der Tür und dieses ist immer mit Gefühlen verbunden. Freude sollte in der Regel das vorherrschende Gefühl sein, wenn sich die Menschen überwiegend in der westlichen Hemisphäre auf das Fest der Liebe vorbereiten. Doch viele Menschen (und ich bin sicher, das kennen Sie auch) überfällt noch ein anderes Gefühl: eine gewisse Form der Nostalgie. (ausgenommen vielleicht die Jüngsten).

Gerne erinnern wir uns an vergangene Weihnachtsfeste die wir, wo und mit wem auch immer, verbracht haben. Und warum auch nicht?! Die Vergangenheit hat ihre Berechtigung in der Gegenwart, die bedeutsam für die Zukunft ist. Eine andere Form der Nostalgie betrifft offenbar vor allem uns Deutsche und zwar auch hier vor allem die Deutschen, die nicht zu jung dafür sind. Ich spreche von der D-Mark-Nostalgie!

Deutsche lagern noch immer 13 Milliarden D-Mark
Nach Angaben der Bundesbank lagern wir Deutschen noch immer rund 13 Milliarden D-Mark in Form von Münzen und Scheinen!

Nun mag es angesichts der aktuellen Instabilität unserer neuen europäischen Gemeinschaftswährung nicht überraschen, dass die Deutschen mit Wehmut an die alte D-Mark zurückdenken (obgleich wir die D-Mark auch nur 53 Jahre unsere Währung nennen durften). Denn immerhin verbinden wir mit der D-Mark zunächst eine Zeit des Aufbruchs, dann des Wachstums und schließlich der Stabilität. Außerdem ist diese Währung auch ein Teil unserer persönlichen Vergangenheit. Die D-Mark gab uns offenbar (zumindest im Rückblick) ein Gefühl der Sicherheit, beim Euro sind wir uns mittlerweile dagegen nicht mehr ganz so sicher....

Doch ob Wehmut allein, die Erklärung für eine solch hohe Summe, die wir zu Hause unter dem Kopfkissen lagern, sein kann? Ich bezweifle das, vor allem da noch rund 6 Milliarden D-Mark in Scheinen unterwegs sind. Natürlich gibt es auch Sammler von Papiergeldscheinen, aber gleich so viele? Wohl eher nicht. Vermutlich dürfte ein Großteil der D-Mark-Reserven, die wir zu Hause vorrätig halten, noch gar nicht von uns entdeckt worden sein.

Was mich zum eigentlichen heutigen Thema bringt....

Der Silberadler
Vielleicht gehören auch Sie zu den Menschen, die irgendwo im Keller, in einer alten Tasche oder in einem alten Koffer oder wo auch immer, noch unbemerkt ein paar D-Mark lagern?!

Vielleicht gehören Sie aber auch zu den Menschen, die irgendwo auf dem Dachboden, in einer alten Handtasche ihrer Großmutter, oder einer alten Schatulle ihres Großvaters noch unbemerkt ein paar alte Silberschätze lagern?!

Wie zum Beispiel einen oder zwei Silberadler!!

Was ist der Silberadler?
Für diejenigen unter Ihnen, die den Silberadler noch selbst im Umlauf miterlebt haben, ist das sicher eine alberne Frage. Doch alle anderen, die bislang noch nichts von dieser 5-DM-Münze gehört haben, sollen wissen: früher gab es auch in Deutschland eine Silberwährung!

Der Silberadler ist eine 5-DM-Silbermünze, die erstmals im Jahr 1951 und letztmalig im Jahr 1974 (als wir dann den "Silberstandard" endgültig aufgaben) geprägt wurde.

Die Münze hat ein Gewicht von 11,2 Gramm und besteht aus 625er Silber. Das heißt, die Münze enthält 7 Gramm Feinsilber. Der Durchmesser beträgt 29 Millimeter.

Da es sich um eine Kursmünze handelt, könnte sie natürlich bei der Bundesbank eingetauscht werden...doch, dies würde bitte hoffentlich niemand ernsthaft tun wollen! Schließlich übersteigt der Silberwert, mit aktuell knapp 3,50 Euro, den Wert, den Sie beim Eintauschen erhalten würden (ca. 2,50 Euro). Sollten Sie also beim Durchstöbern des Dachbodens (vielleicht wenn Sie morgen nach Tante Gertruds altem Weihnachtsschmuck suchen) zufällig auf ein paar Silberadler stoßen, dann bitte, bitte nicht umtauschen!

Behalten Sie die Münze stattdessen und sehen Sie sich die Münze ganz genau an. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eher gering ist, dass Sie tatsächlich auf ein sehr seltenes und wertvolles Exemplar gestoßen sind, so würde beispielsweise bereits ein Verkauf über ein Auktionshaus mindestens den Silberwert (also das Doppelte, was sie von der Bundesbank erhalten würden) einbringen.

Nun fragen Sie sich vielleicht, wie Sie denn erkennen können, ob es sich um einen seltenen Schatz oder "nur um 7 Gramm Silber" handelt! Zunächst möchte ich Ihnen ein Bild einer dieser Silberadler zeigen:

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Wie Sie sehen, wurde die Münze im Jahr 1951 geprägt und zwar im Bayerischen Hauptmünzamt München (D).

Der Jahrgang 1951
Da ich besagte Münze vor einigen Jahren von meinem Opa zur Ergänzung meiner Sammlung bekommen habe, ist mir diese Münze lieb und teuer. Doch generell ist der Jahrgang 1951 nicht unbedingt der begehrteste. Tatsächlich ist der Jahrgang 1951 sogar derjenige mit der höchsten Auflagenzahl aller Silberadler. In diesem Jahr wurden über 79 Millionen Stück geprägt.

Der Wert eines Silberadlers 1951 entspricht in der Regel dem des Silberwerts. Ausnahmen gibt es bei Münzen die in wirklich außergewöhnlich guter Erhaltung vorliegen, wenn sie nie zirkuliert haben, (nicht so wie bei meiner oben abgebildeten Münze - aber ich mag sie ja trotzdem) - hier können dann auch höhere Aufschläge möglich werden.

Silberadler 1958 J
Eine der wertvollsten deutschen Münzen aber ist der Silberadler 1958 J. (Das J steht für die Prägeanstalt Hamburgische Münze.) Und das aus einem einfachen Grund: die Hamburgische Münze prägte im Jahr 1958 lediglich 60.000 Stück dieser 5-DM-Silbermünzen. Das entspricht der geringsten Auflage aller Silberadler in Stempelglanz. Eine solche Münze ist, in der entsprechenden Erhaltung, mehrere Tausend Euro wert.

PP und Randprägungen
Ebenfalls deutlich höhere Preise bringen die Silberadler in PP (Polierte Platte). Vor allem die frühen Jahrgänge wurden in PP nur in äußerst geringer Stückzahl geprägt. Beispielsweise 1956 F in PP: Auflage 23 Stück. Spätere Jahrgänge dagegen wurden auch in PP in deutlicher höhere Auflage geprägt. Beispielsweise wurden im Jahr 1974 rund 140.000 Stück in PP geprägt, so dass die späteren Jahrgänge natürlich weniger Wert aufweisen. Der springende Punkt ist jedoch, dass Sie eine der seltenen PP Münzen der frühen Jahrgänge kaum einfach so im Internet-Auktionshaus finden werden. Und wenn die Münze dann auch noch zu einem Preis angeboten wird, den Sie als Schnäppchen empfinden, sollen Sie doch lieber vorsichtig sein. Denn im Zweifelsfall handelt es sich vielleicht gar nicht um eine Münze in PP, sondern lediglich um eine Münze in Stempelglanz.

Sollten Sie aber in Großvaters Münzsammlung zum Beispiel einen Silberadler 1951 F in PP finden, dann herzlichen Glückwunsch!

Besonders selten sind einige Abarten der Silberadler, die sich durch eine andere Randprägung kennzeichnen. In der Regel lautet die Randschrift: Einigkeit und Recht und Freiheit. Doch gibt es Abarten mit anderen Randschriften (Grüss Dich Deutschland aus Herzensgrund, Der Freie nur ist treu, Alle Menschen werden Brüder und Die Menschenwürde ist unantastbar), die ebenfalls enorm hohe Preise von mehreren Tausend Euro erzielen können. Doch ich sage es Ihnen lieber gleich: diese Münzen sind wirklich sehr selten, denn im Grunde handelt es sich hier um Fehlprägungen, die ja in der Regel nicht so häufig vorkommen sollten.

Silberadler: Worauf Sie achten sollten!
Das Wichtigste worauf Sie achten müssen, ist die Erhaltung ihres Silberadlers. Je besser die Erhaltung, desto höher in der Regel auch der Wert der Münze. So könnten Sie auch für einen einfachen Silberadler aus dem Jahr 1951, sofern diese Münze in Stempelglanz vorliegt (also im Grunde frisch aus der Prägeanstalt), den 4-5 fachen Silberwert erzielen. Der Katalogwert für meine Münze in Stempelglanz liegt zum Beispiel bei 45 Euro. Allerdings werden Katalogwerte natürlich generell eher selten erzielt und da meine Münze nicht in der besten Erhaltung vorliegt, taxiere ich den Wert schlicht beim Silberwert.

Doch, wie gesagt, auf die Erhaltung kommt es an. So werden beispielsweise Münzen aus Jahrgängen mit geringerer Auflage in Stempelglanz mit einem Katalogwert von mehreren Hundert Euro taxiert.

Trotz allem, wenn Sie sich mit Münzen noch nicht sehr viel beschäftigt haben, dann sollten Sie, sofern Sie sich einen Silberadler zulegen wollen, jedenfalls keine überzogenen Preise bezahlen. Denn nicht überall wo Stempelglanz oder gar PP drauf steht, ist auch diese Erhaltung drin.

Außerdem sollten Sie auf folgende Jahrgänge achten: 1952, 1953, 1954, 1955, 1962, sowie auf die Ausgaben 1956 G, 1959 F und 1961 G. Denn diese Jahrgänge, bzw. Ausgaben wurden nie geprägt. Sollten Ihnen diese Jahrgänge bzw. Ausgaben angeboten werden, dann lehnen Sie auf jeden Fall ab, denn es handelt sich um Fälschungen.

So long liebe Leser....doch, wie gesagt, sollten Sie morgen auf der Suche nach dem Weihnachtsschmuck über einen Silberadler-Dachbodenfund stolpern, dann freuen Sie sich und tauschen die Münzen bitte nicht gleich bei der Bundesbank um...am besten: Sie behalten die Silbermünze als kleines Weihnachtsgeschenk aus der Vergangenheit...damit verabschiede ich mich nun von Ihnen, bis nach den Feiertagen und wünsche

Ihnen und Ihren Familien ein

Frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

Liebe Grüße

Ihre Miriam Kraus








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