Dienstag, 17.01.2017
pro aurum Chartanalyse

Erstes klares Kaufsignal am Goldmarkt

Florian Grummes Chartanalyst

Florian Grummes Chartanalyst

Ein zwiespältiges Jahr mit zahlreichen Höhen und Tiefen nähert sich für den Goldmarkt seinem Ende. Zunächst eröffnete der Goldpreis am 1. Januar 2016 bei 1.061 USD. Unbemerkt von der großen Mehrzahl der Marktakteure konnte sich der Goldpreis im Januar schrittweise bis an die wichtige Abwärtstrendlinie bei 1.130 USD empor arbeiten.

Anfang Februar sorgten dann der immer noch klar pessimistische Marktkonsens sowie eine Panik an den Aktienmärkten und ein schwächerer US-Dollar für die Überraschung auf der Oberseite! Gold konnte folglich mit einem Paukenschlag innerhalb einer Woche bis auf 1.262 USD steil nach oben ausbrechen. Bereits hier waren die meisten Indikatoren sowie der Terminmarkt heiß gelaufen.

Anstatt aber eine notwendige Korrektur einzuläuten, bewegte sich der Goldpreis unter größeren Schwankungen in den folgenden drei Monaten zwischen 1.300 und 1.200 USD seitwärts. Erst Ende Mai, nach einem zielstrebigen 105 USD Abverkauf bis auf 1.200 USD war der Boden gefunden.

Als dann erste Prognosen auf einen Sieg der Brexit-Befürworter hindeuteten, schnellte der Goldpreis innerhalb von zwei Wochen bis auf 1.315 USD nach oben. Allerdings mussten hier sofort knapp 60 USD wieder abgegeben werden, da neuerliche Prognosen in den folgenden Tagen auf ein Scheitern des Referendums hindeuteten. Am Tag der Entscheidung schließlich schoss der Goldpreis dann jedoch beflügelt vom überraschend positiven Brexit-Votum in gerade mal einer Stunde um mehr als 100 USD bis auf 1.361 USD nach oben. Es folgte eine kurze Verdauungsphase, bevor am 5.Juli mit 1.377 USD der höchste Stand des Jahres erreicht werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt waren so ziemlich alle Marktteilnehmer extrem bullisch und das Erreichen der Marke von 1.430 USD schien nur noch eine Frage der Zeit.

Nach dem gesunden und erwarteten Rücksetzer im Juli, drückten die Goldbullen bis Anfang August erneut auf Gas. Als dann allerdings am 5.August ein relativ positiver US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht wurde, fiel der Goldpreis in wenigen Stunden um fast 30 USD und hinterließ auf dem Chart mit 1.366 USD ein tieferes Hoch und damit ein allererstes Warnzeichen. Die folgenden Sommerwochen bemühten sich die Bullen beharrlich darum, immer wieder zurückzukommen. Die Unterstützungszone um 1.300 USD konnte sogar bis Ende September mehrmals verteidigt werden. Anfang Oktober dann aber war diese Zone sehr brüchig geworden, während auf der Oberseite mittlerweile zahlreiche tiefere Hochs zu Buche standen. Dieses absteigende Dreieck zwang den Goldpreis schließlich Anfang Oktober unter die psychologische Marke von 1.300 USD. Das Kursziel aus dem absteigenden Dreieck wurde daraufhin mit 1.240 USD sehr zügig erreicht.

Im Vorfeld der US-Wahlen sammelten die Bullen im Oktober daraifhin nochmals ihre Kräfte. Zunächst klammerten sie sich fest an die steigende 200-Tagelinie, bevor sie dann gestärkt eine Attacke bis auf 1.310 USD zu Stande brachten. Zur US-Wahlnacht war der Goldpreis aber schon wieder bis auf 1.275 USD abgetaucht.

Als sich am frühen Morgen des 9.Novembers für viele völlig überraschend der Wahlerfolg von Donald Trump abzeichnete, sprang der Goldpreis schnurstracks bis auf 1.336 USD. Die Preisexplosion konnte aber nicht lange gehalten werden. Während die meisten Marktteilnehmer und Beobachter noch in Schockstarre, Ungläubigkeit oder Euphorie wie gebannt die Wahlberichterstattung aus den USA verfolgten, gab der bekannte und äußerst erfolgreiche ehemalige Hedgefondmanager Stanley Druckenmiller bekannt, dass er sich gerade von seinen kompletten Goldbeständen getrennt habe und jetzt voll auf ein Wiederbeleben der US-Wirtschaft und damit auf Donald Trump setze. Der Goldpreis konnte die fulminanten Gewinne an diesem historischen Tag jedenfalls nicht verteidigen, sondern schloss mit 1.277 USD fast wieder am Vortagesschlusskurs. Damit blieb ein langer, roter und bärischer Docht auf dem Candlestick-Chart zurück.

Am gleichen Tag, und aufgrund der US-Wahl von fast der gesamten Welt völlig unbeobachtet, hatte der indische Premierminister Nahendra Modi im Alleingang 86% der dortigen Banknoten entwertet. Diese beispiellose Enteignung kam nur sehr langsam in den westlichen Medien an. Erst nach und nach wurde den Marktteilnehmern die Tragweite dieser Maßnahme bewusst. Indien, einer der wichtigsten physischen Goldimporteure war von einem auf den anderen Tag in eine katastrophale Deflationsspirale gerutscht. Mittlerweile wissen wir, dass der Goldmarkt dadurch ganz empfindlich getroffen wurde. Nur einige wenige vorrausschauende Profis erahnten recht schnell die Konsequenzen, aber nur langsam machten erste Gerüchte eines Goldverbotes in Indien die Runde.

Für den Goldpreis begann damit rückblickend am 9.November eine bitterböse Abverkaufswelle. Während die Aktienmärkte seitdem deutlich zulegten und der US-Dollar immer stärker wurde, fiel der Goldpreis ohne Halt und Gegenwehr bis auf ein Tief bei 1.123 USD am 15.Dezember. Seitdem ist eine Stabilisierung zu beobachten, welche in der letzten Handelswoche des Jahres mit einem Spike bis auf 1.150 USD ein erstes Kaufsignal und damit berechtigte Hoffnungen auf eine anstehende Gegenbewegung mit sich bringt.

Insgesamt also ein wie immer spannendes, aber eben auch sehr durchwachsenes Jahr für den Goldpreis. Ungeachtet der dramatischen Kursverluste in den letzten Monaten kann der Goldpreis erstmals seit dem Beginn der Baisse im Jahre 2011 wieder ein höheres Hoch sowie ein Plus von aktuell 7,38% zum Jahresende für sich verbuchen. Damit ist der erste Grundstein für eine neue Aufwärtsbewegung gelegt.

Gold in USD Monatschart:

Der logarithmische Monatschart macht derzeit wenig Freude. Außer zahlreichen Verkaufssignalen und diversen roten Vorzeichen lässt sich charttechnisch im großen Bild momentan leider relativ wenig Positives finden. Mit einem derzeitige Minus von knapp 3% auf Monatsbasis, wird auch der Dezember eine rote Kerze auf dem Chart hinterlassen. Drei negative Monatskerzen hintereinander sind allerdings schon hart an der statistischen Grenze, die Wahrscheinlichkeit für eine grüne Januarkerze ist daher zumindest aus dieser Perspektive schon mal deutlich erhöht!

Der klare Rückfall unter das mittlere Bollinger Band (1.198 USD) wirkt jedoch schwer. Ebenso lastet das Parabolic Sar Verkaufssignal auf dem Goldmarkt, welches aktuell erst beim einem Goldpreis oberhalb von 1.373 USD wieder bullisch wird!

Nun scheint auch noch der MACD-Indikator drehen zu wollen, denn er steht kurz vor einem Verkaufssignal. Die Stochastik, welche frühzeitig ein Verkaufssignal gegeben hatte, macht derzeit noch keine Anstalten einer Trendwende. Sollte dieser Oszillator noch bis zu seiner überverkauften Zone laufen wollen, wird der Goldpreis wohl bis auf mindestens 1.045 USD fallen müssen.

Insgesamt hat sich der Monatschart zuletzt weiter verschlechtert und liefert derzeit keine Signale für eine Trendwende. Die Bewertung muss daher auf „zunehmend bärisch“ gesenkt werden.

Positiv bleibt die Tatsache, dass der Goldpreis in 2016 im Vergleich zu 2015 ein höheres Hoch und ein höheres Tief erreichen wird! Das wiederum spricht noch immer noch für einen übergeordneten Trendwechsel im Dezember 2015.

Erst im kommenden Jahr sollten wir früher oder später endlich klarer erkennen können, in welche Richtung der Goldpreis übergeordnet denn nun wirklich laufen möchte.

Gold in USD Wochenchart:

Auf dem arithmetischen Wochenchart ist der Goldpreis seit dem Sommer bis fast an die Verbindungslinie der Hochpunkte aus den Jahren 2013 bis 2015 zurückgefallen. Positiv bleibt dabei aber die Tatsache, dass er sich seit Januar 2016 im oberen Bereich dieses noch immer gültigen Abwärtstrendkanals bewegt. Aktuell benötigt es einen Goldpreis oberhalb von 1.300 USD, um den übergeordneten Abwärtstrend endlich zu durchbrechen.

Nachdem die Notierungen nun über sechs Wochen lang am unteren Bollinger Band (1.104 USD) nach unten geschlittert sind, ist der Goldmarkt so stark überverkauft wie schon lange nicht mehr. Damit ist die Chance für eine Erholung in den nächsten Wochen und Monaten mehr als gegeben.

Besonders die Stochastik ist wirklich extrem überverkauft. Zwar liegt hier derzeit noch der eingebettete und damit stark bärische Zustand vor, sobald sich aber beide Signallinien über die Marke von 20 bewegen, eröffnet sich ein gewaltiges Erholungspotential! Auch der RSI hat fast einen Extremwert erreicht. So tief wie aktuell notiert der Indikator seit dem Frühling 2013 nicht mehr! Gleichzeitig ist das MACD Verkaufssignal mittlerweile sehr weit gelaufen und hat seinen Zweck damit erfüllt.

Auf der Oberseite wartet die altbekannte Zone um 1.180 USD (+/- 10USD) als ein erstes potentielles Erholungsziel, an welchem der Goldpreis aber schon auf einen ernstzunehmenden Widerstand trifft.

Auf der Unterseite darf der Bereich 1.115 – 1.125 USD jetzt nicht mehr unterschritten werden, sonst droht der direkte Abfall bis an die eingangs genannte Verbindungslinie, welche sich derzeit im Bereich um 1.075 USD bewegt.

In der Zusammenfassung bleibt der Wochenchart aufgrund der „embedded Stochastik“ vorerst noch extrem bärisch. Kann sich der Oszillator aber in den nächsten Wochen aus dem Klammergriff der Bären befreien, ergibt sich ein gewaltiges Erholungspotential. So verläuft das obere Bollinger Band (1.397 USD) derzeit beispielsweise knapp 250 USD über dem aktuellen Preisgeschehen seitwärts und gibt dem Goldmarkt damit sehr viel Raum nach oben!

Gold in USD Tageschart:

Auf dem logarithmischen Tageschart sticht natürlich der wasserfallartige Kurssturz seit Anfang November sofort ins Auge. Begonnen hatte diese Korrektur aber bereits Anfang Juli. Schritt für Schritt gewann sie an Dynamik und endete vermutlich mit einem steilen und typischen Panikausverkauf neun Tage vor Weihnachten.

Seit knapp zwei Wochen werden nun die Scherben am Goldmarkt zusammengekehrt. Eine nachhaltige Trendwende ist noch nicht erkennbar, aber die Divergenzen beim RSI-Indikator machen Hoffnung. Zunächst war der Goldpreis noch in einem ruhigen Handel zwischen 1.126 USD und 1.141 USD gefangen.

Mit der Wiederaufnahme des Handels nach den Weihnachtsfeiertagen trieben die Asiaten den Goldpreis aber direkt an die kurzfristig deckelnde Marke von 1.141 USD, wodurch offensichtlich Leerverkauf-Stopps ausgelöst wurden und wir gestern morgen Zeugen eines kleinen Short-Squeeze am Goldmarkt wurden. Aufgrund der exorbitant hohen Anzahl an Short-Wetten dürfte das nur ein Vorgeschmack auf die kommenden Wochen gewesen sein. Ab jetzt wird es wohl zu ruckartigen steilen Aufwärtsschüben kommen, denn jeder Leerverkäufer muss sich ja früher oder später auch wieder eindecken!

Charttechnisch ist natürlich auch der Tageschart völlig überverkauft, so dass eine Gegenbewegung/Erholung alleine schon deswegen extrem wahrscheinlich ist! Das erste realistische Kursziel ist das obere Bollinger Band (1.195 USD), welches in den kommenden Tagen zufälligerweise noch bis in den bereits genannten Bereich um 1.180 USD fallen wird. Genau hier bzw. bei 1.190 USD scheiterte der Goldpreis vor wenigen Wochen mit einem kläglichen Erholungsversuch.

Etwas darüber kommt die fallenden 50-Tagelinie (1.213 USD) ins Spiel, welche ebenfalls früher oder später angelaufen werden wird. Die 200-Tagelinie (1.272 USD) hingegen bewegt sehr weit vom aktuellen Marktgeschehen entfernt. Dies spricht einerseits für eine technisch nach wie vor ungünstige Lage, macht aber gleichzeitig klar, dass der Goldpreis bis zum Frühjahr ohne weiteres auch bis 1.250 USD und höher ansteigen kann.

In der Summe liegt das Augenmerk jetzt auf der Stochastik. Der Oszillator befand sich zuletzt im eingebetteten und damit stark bärischen Zustand. Mit dem Kursanstieg nach den Feiertagen dürfte der Befreiungsschlag aber gelingen, so dass die Stochastik ein Kaufsignal liefern würde und jede Menge Platz für eine Bewegung nach oben vorhanden wäre. Mein kurzfristiges Kursziel bis spätestens Ende Januar lautet daher 1.190 USD. Es kann aber auch sehr viel schneller gehen.

Florian Grummes (Jahrgang 1975, geboren in München) widmet sich seit 1996 intensiv den Finanzmärkten sowie der technischen Chartanalyse und spezialisierte sich ab 2002 auf den Edelmetallsektor. Seine weltweit verfolgten regelmäßigen Gold- und Silberanalysen werden seit Oktober 2011 exklusiv von pro aurum unter www.proaurum.de veröffentlicht.






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