Dienstag, 02.09.2014
Chartanalyse pro aurum

Gold - “Trendwechsel ist nur noch eine Frage der Zeit.”

Florian Grummes Chartanalyst

Florian Grummes Chartanalyst

Meinen regelmäßigen Lesern ist sicherlich schon aufgefallen dass ich sehr viel Wert auf das Verständnis des „großen Bildes" lege, also die sogenannte „Big Picture" Analyse.


Dafür ziehe ich regelmäßig das Dow Jones/Gold Ratio zu Rate. Um das Verhältnis von Aktien zu Gold zu erhalten, teilen sie einfach den Preis für den größten und wichtigsten amerikanischen Aktienindex Dow Jones durch den Preis für eine Unze Gold. Da beide in US-Dollar notieren, können sie den beliebig vervielfältigbaren Papier Dollar einfach aus der Gleichung streichen. Für beide Anlageklassen sind ausführliche Datenreihen vorhanden, um die Entwicklung der letzten 200 Jahre abzubilden.

Wie sehr schön zu erkennen ist, entwickeln sich Aktien und Gold seit 1913 (Gründung der FED) im langfristigen Vergleich konträr. Das heißt, es macht für einen langfristigen Investor keinen Sinn in beiden Anlageklassen gleichzeitig investiert zu sein, da jeweils das eine Anlagegut das andere deutlich in den Schatten stellt. Zwischen 1965 und 1980 mussten sie beispielsweise in Gold investiert sein während die Aktienmärkte letztlich nur seitwärts liefen. Nachdem sich dann der Goldpreis bis zum Januar 1980 in wenigen Wochen bis auf 890,00US$ nochmals verdoppelt hatte, mussten sie ihre Edelmetalle komplett verkaufen und zwanzig Jahre lang nur auf Aktien setzten. Im Frühjahr 2000 waren die Aktienmärkte dann derart heiß gelaufen, dass es wiederum galt, voll und ganz auf die Edelmetalle umzuschwenken. Dieser Trend läuft bis heute. Diese extrem einfache Anlagestrategie hätten sie mit einer gründlichen Sentimentanalyse und dem Dow Jones/Gold Ratio realisieren können.

Der letzte große Zykluswechsel fand also im Jahr 2000 statt. Damals waren die Aktienmärkte extrem heiß gelaufen und völlig überbewertet. Für Gold und Silber interessierte sich außer ein paar hartgesottenen Münzsammlern niemand mehr.
Heute jedoch steht der DAX immer noch ungefähr dort wo er auch im Jahre 2000 stand (Dividenden miteingerechnet!!!), während der Goldpreis bereits von 250,00US$ auf in der Spitze 1.920,00US$ angestiegen ist.

Seit dem Herbst 2011 befinden sich die Edelmetalle in einer gesunden Korrektur, ohne dass der übergeordnete Trend verletzt worden wäre. Gleichzeitig konnte der DAX zuletzt deutlich anstiegen und sogar neue nominale Allzeithochs generieren. Während die große Masse nun von weiter steigenden Aktienmärkten ausgeht, sendet das Dow Jones/Gold Ratio ein ganz anderes Signal. Im folgenden Wochenchart können sie die Entwicklung der 15 Jahre betrachten.

Durch die Erholung zugunsten der Aktien in den letzten Monaten sind die beiden Indikatoren RSI und MACD bis auf Extremwerte angestiegen. Das kurz- und vor allem mittelfristige Aufwärtspotential erscheint daher ausgeschöpft. Da Wochencharts einen langen Zeitraum abbilden, reden wir hier dementsprechend über Konsequenzen für die nächsten ein bis vier Jahre. Am Extremtief im Frühjahr 2009 fiel der MACD beispielsweise bis auf ca. -13 Punkte, während er aktuell bei 7,76 Punkten notiert. Trotz dieser großen Spanne konnte sich das Ratio selbst im gleichen Zeitraum lediglich von 7,03 auf aktuell 11,30 Punkte erholen. In meinen Augen eine sehr schwache Performance.

Auf dem Tageschart für das Dow Jones / Gold Ratio sind bereits deutlich negative Divergenzen bei den Indikatoren zu beobachten. Sowohl RSI als auch MACD haben das letzte Hoch nicht mehr bestätigt. Ein Trendwechsel bzw. die Rückkehr des übergeordneten langfristigen Zyklus ist damit nur noch eine Frage der Zeit. Ich vermute, dass sich Gold spätestens im Juli mit einem Ausbruch über die Marke von 1.425,00US$ befreien wird können und eine mehrjährige fulminante Rally beginnen wird.

Sollten sich die Aktienmärkte jedoch den Sommer über noch einmal zu neuen Höhen aufschwingen können, wird sich die Aufwärtsbewegung bei den Edelmetallen noch bis zum Herbst verzögern.

Ganz kurzfristig drücken die ungünstige Saisonalität für den Monat Juni sowie der für heute anstehende US-Zinsentscheid die Preise noch nach unten. Wichtig ist jetzt, dass die Marke von 1.360,00US$ auf Tageschlussbasis verteidigt werden kann. Falls nicht, könnte es vor dem Start der nächsten Rally doch noch eine Etage tiefer gehen.
Chance auf attraktive Renditen!
Aufgrund der oben beschriebenen Konstellation beim Dow Jones Gold/Ratio, sowie der sehr günstigen CoT-Daten, der miserablen Stimmung und der ab Juli hervorragenden saisonalen Komponente, halte ich jedoch einen finalen Ausverkauf bis auf ca. 1.050,00US$ aktuell nicht für das wahrscheinlichste Szenario.

Noch ein paar Anmerkungen:

Gold ist ein Synonym für Sicherheit, Angst, Misstrauen, Panik, Flucht in den sicheren Hafen, Bankenzusammenbrüche und Zusammenbruch des Finanzsystems, Misstrauen in Politik, bankrotte Schuldner und Staatspleite sowie Anonymität. Gold macht keine Gewinne & ‪schüttet keine Dividenden aus

Aktien sind ein Synonym für Vertrauen in die Zukunft, Innovationen, Investitionen, Wachstum, Fortschritt, Unternehmertum und Risiko. Aktien repräsentieren Unternehmensgewinne & schütten Dividenden aus

Lediglich die Aktie von General Electric ist seit der Erstpublikation des Dow Jones 1896 bis heute ununterbrochen in diesem Index vertreten. Alle anderen Aktien wurden aufgrund von Pleiten oder schlechter Performance ersetzt.

Im Jahr 1975 (kurz nach meiner Geburt) schenkte mir mein Großvater eine amerikanische 20$ Liberty Double Eagle (Prägung 1883). Die Münze wiegt immer noch eine Unze Gold und hat mittlerweile neben dem Goldwert auch einen Sammlerwert.

Florian Grummes (Jahrgang 1975, geboren in München) widmet sich seit 1996 intensiv den Finanzmärkten sowie der technischen Chartanalyse und spezialisierte sich ab 2002 auf den Edelmetallsektor. Seine weltweit verfolgten regelmäßigen Gold- und Silberanalysen werden seit Oktober 2011 exklusiv von pro aurum unter www.proaurum.de veröffentlicht.






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