Chinapolitik
Merkel nimmt sich der Seltenen Erden an
Seit Wochen herrscht an den weltweiten Märkten die Angst, dass China die Lieferung von Seltenen Erden drosseln wird. Nun sind die Diskussionen darüber auf höchster Ebene angekommen.

Die Gruppe der so genannten Seltenen Erden kommt in immer mehr technischen Anwendungen zum Einsatz und sind in vielen „grünen“ Technologien unverzichtbar
Die Industrie ist in Alarmbereitschaft. Chinesische Behörden haben angekündigt, die Ausfuhr von Seltenen Erden zu drosseln. Mehrfach haben Offizielle in den vergangenen Monaten dieses Thema zur Sprache gebracht. Für einige Rohstoffe gibt es bereits Beschränkungen, die Menge, die zum Export bereitsteht, wird reduziert. Vor allem in den USA leuchten die Alarmglocken seitdem auf rot. Viele Industriezweige sind stark von den Seltenen Erden abhängig. Sie werden zum Beispiel benötigt, um Handys und Laptops zu produzieren oder auch in der Raumfahrt. Die gesamte High-Tech-Branche hängt von ihnen ab. Rund 90 Prozent der Produktion aller 17 Seltenen Erden stammt derzeit aus China. Mit ihrer Vormachtstellung haben es die Chinesen geschafft, die Preise zu drücken und Konkurrenten aus dem Markt zu drängen. US-Minen konnten nicht mehr wirtschaftlich arbeiten und wurden geschlossen. Der jüngste Weckruf aus China hat deutlich gemacht, wie fragil das Liefersystem ist und wie abhängig die globale Wirtschaft von den Seltenen Erden aus dem Land der Mitte geworden ist. In den USA aber auch in anderen Ländern wird die Suche nach den Seltenen Erden wieder aufgenommen. Zudem gibt es Überlegungen, alte Minen wieder anzufahren.
Die warnenden Rufe aus der Wirtschaft haben inzwischen die politische Ebene erreicht. Auf ihrem Besuch in China hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel das Thema angesprochen. Unterstützung findet sie dabei bei Jürgen Heraeus, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Heraeus Holding. Er macht in China deutlich, wie wichtig der Zugang zu den Seltenen Erden für die Industrie ist. Gleichzeitig beklagt er, dass es in China Exportbeschränkungen für diese Metalle gibt. Bei Merkel findet er dabei offene Ohren. Sie hat das Thema als wichtiges Problem erkannt und es bei ihren politischen Gesprächen thematisiert.
Auf einem Wirtschaftsforum in Xian überrascht der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao die deutschen Wirtschaftsvertreter mit der Aussage, dass sein Land den Export der Seltenen Erden nicht blockiere. Er fordert jedoch einen vernünftigen Preis. Gleichzeitig relativiert er jedoch seine Äußerungen, da er nur eine angemessene Menge an das Ausland verkaufen will. Der Politiker sagt zudem, dass ausländische Unternehmen so behandelt werden wie lokalen Firmen, wenn sie in China produzieren.
Damit will er offenbar die Ansiedlung von High-Tech-Unternehmen in seinem Land fördern. Diese haben dort einen besseren Zugang zu den begehrten Metallen, können eventuell sogar von günstigeren Preisen profitieren, müssen dafür jedoch in China produzieren. Da viele Unternehmen aus der deutschen Wirtschaftsdelegation sich beklagen, dass sich das Investitionsklima im Land verschlechtert hat, scheint es noch einigen Diskussionsbedarf zwischen allen Beteiligten zu geben. Das Thema wird die politische Ebene noch länger beschäftigen.
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