Samstag, 11.02.2012

"Down Under"
Rio Tinto gibt in Australien wieder Vollgas

Die Minensteuer ist in Australien noch längst nicht begraben. Doch erste Investitionszusagen zeigen, dass die Unternehmen von ihrem Boykott Australiens wieder Abstand nehmen.

Beladung eines Eisenerzfrachters in Australien; Foto: Rio Tinto

Beladung eines Eisenerzfrachters in Australien; Foto: Rio Tinto

Im Mai erklärten die Verantwortlichen bei Rio Tinto (WKN: 855018), so lange nichts in Australien zu investieren, bis es Klarheit bei der Minensteuer gebe. Man setzte alle Pläne auf „hold“. Inzwischen hat es eine Parlamentswahl gegeben, seitdem sind die Mehrheitsverhältnisse völlig unklar. Die Minensteuer ist noch immer aktuell, wie sie von der neuen Regierung ausgestaltet werden wird, ist Spekulation. Doch Rio Tinto wirft die Vorsätze aus dem Frühjahr über Bord und startet „down under“ eine neue Investitionsrunde.

Zusammen mit seinem Joint Venture Partner Hope Downs Iron Ore - das Unternehmen gehört Gina Rinehart, der reichsten Frau Australiens - wird man im Westen von Australien eine Eisenerzmine aus dem Boden stampfen. Das Areal liegt rund 30 Kilometer nördlich von Newman im Bundesstaat Westaustralien. Die beiden Partner wollen gemeinsam 1,2 Milliarden US-Dollar in das Projekt investieren. Zusätzlich wird Rio Tinto weitere 425 Millionen Dollar in das Projekt einbringen. Damit sollen Infrastrukturmaßnahmen gefördert werden. Unter anderem wird eine neue Eisenbahnlinie gebaut, die die Mine mit der Küstenregion und den dortigen Hafenanlagen von Rio Tinto verbinden wird. Denn einen Kunden für das Eisenerz gibt es bereits: Es soll nach China exportiert werden.

Die Bauarbeiten mitten im Nichts werden, falls alle behördlichen Genehmigungen rechtzeitig eingehen, im kommenden Jahr beginnen. Geplant ist, auf dem Areal ein Dorf für 600 Arbeiter zu errichten. 2013 soll die Produktion auf Hope Downs 4 starten. Ab dann will Rio Tinto auf der Anlage jährlich 15 Millionen Tonnen Eisenerz fördern. Insgesamt liegen unter dieser australischen Erde mit Sicherheit 73 Millionen Tonnen Eisenerz, das Vorhandensein von weiteren 64 Millionen Tonnen gilt als sehr wahrscheinlich.

Der Bergbaugigant plant, seine jährliche Eisenerzförderung deutlich zu steigern. In der australischen Region Pilbara erwartet man, die jährliche Förderung von 225 Millionen Tonnen bis 2015 auf 330 Millionen Tonnen zu erhöhen. Aber Rio Tinto fokussiert sich nicht nur auf Australien. Aktiv ist der Konzern zudem in anderen Ländern. Neue Investitionszusagen gibt es für das westafrikanische Guinea. Dort ist der zweitgrößte Erzförderer der Welt mit Chinalco als Partner am Werke. Ein weiteres Projekt wird derzeit im indischen Orissa vorbereitet.

Am Markt wird die Investitionszusage in Australien eher neutral aufgenommen. Beobachter sind etwas überrascht, dass Rio Tinto die Entscheidung aus dem Frühjahr, zunächst keine weiteren Investitionen in Australien vorzunehmen, ohne wirkliche Neuigkeiten aus der Politik aufhebt. Viele Analysten haben Hope Downs 4 jedoch schon in ihrem Modell berücksichtigt.

So bestätigen die Experten von BMO das Rating „outperform“ für die Aktien von Rio Tinto. Das Kursziel beträgt 43,00 Pfund. Bei Merrill Lynch sprechen die Analysten eine Kaufempfehlung für die Aktie aus, während die alte Einstufung „neutral“ hieß. Zugleich wird das Kursziel von 4.000 Pence auf 4.100 Pence verbessert. Die Hochstufung ist jedoch keine Reaktion auf die australische Meldung. Vielmehr weisen die Analysten auf die niedrige Bewertung hin. Zudem deutete die Unternehmensspitze jüngst an, dass Übernahmen geplant seien. Letztlich ist auch die insgesamt bessere Konjunkturprognose ein Grund für das höhere Rating.

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