Freitag, 24.02.2017
von Miriam Kraus in Rohstoff Daily

Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 28.11.-05.12.16: Erdöl und Gold

Miriam Kraus - Redaktion Investor Verlag

Miriam Kraus - Redaktion Investor Verlag

Liebe Leserin, lieber Leser, die Ölpreise sind in der vergangenen Woche sprunghaft gestiegen, nachdem die OPEC sich auf eine Förderkürzung geeinigt hatte.So hat das Kartell nun beschlossen, die Produktion um 1,2 Millionen Barrel pro Tag zu kürzen. Auch Nicht-OPEC-Staaten werden laut Angaben des katarischen Ölministers die Produktion um weitere 600.000 Barrel pro Tag zurückfahren. Davon übernimmt Russland alleine eine Produktionskürzung in Höhe von 300.000 Barrel pro Tag, wie der russische Energieminister bestätigte.


Die Märkte nahmen die Ankündigung der Förderkürzung ab Januar 2017 überaus euphorisch auf, da die Produktionskürzung deutlich höher als erwartet ausgefallen ist. Dementsprechend erwartet ein Teil der Beobachter nun zumindest für die 1. Jahreshälfte 2017 einen ausgeglichenen bis defizitären Markt.

Dies bleibt m.E. allerdings fraglich, denn die vereinbarte künftige Fördermenge entspricht gerade einmal dem Durchschnitt der ersten 6 Monate dieses Jahres und damit am oberen Ende der Produktionsbandbreite der vergangenen 10 Jahre. Auch die Nachfrageentwicklung für das kommende Jahr lässt sich nicht so ohne weiteres präzise prognostizieren und ist abhängig von der tatsächlichen Konjunkturentwicklung.

Ein nicht unwesentlicher Anteil der Förderkürzungen ist überdies eher kosmetischer Natur. Saudi-Arabien beispielsweise, das mit 500.000 Barrel pro Tag den Löwenanteil der Förderkürzungen trägt, passt damit seine Produktion allerdings nur auf das übliche Winterniveau, nachdem man in Sommer die Produktion auf ein Rekordniveau ausgeweitet hatte.

Entsprechend klar wird nun auch, weshalb Saudi-Arabien die Winteranpassung in diesem Jahr bislang noch nicht vorgenommen hatte. Überraschend ist hingegen die Kürzung des Irak um 210.000 Barrel pro Tag, wohingegen der Iran seine Produktion sogar noch um 90.000 Barrel pro Tag erhöhen darf. Auch weitere Länder werden wohl im kommenden Jahr Produktionsanhebungen durchführen: neben Libyen und Nigeria wurde auch Indonesien von den Förderkürzungen ausgenommen.

Brent zur Lieferung im Februar handelt aktuell bei 54,49 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Januar notiert derzeit bei 51,73 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick
Derzeit überwiegt die Euphorie an den Märkten und ein nicht unwesentlicher Teil der Marktteilnehmer erwartet auch für 2017 zunächst einen defizitären globalen Ölmarkt. Doch ist Vorsicht geboten auch was die Förderung in den USA angeht. Euphorie treibt die Ölpreise an, doch ein Ölpreisniveau ab 50 US-Dollar dürfte die (Schieferöl-) Produktion in den USA wieder deutlicher anheizen. Hinzu kommen möglicherweise unterstützende Maßnahmen der kommenden Trump-Regierung für die heimische Ölindustrie. Dann könnte sich die Erwartung eines globalen Ölmarktdefizits rasch wieder umkehren.

Edelmetalle: Gold
Der Goldpreis gab in der vergangenen Woche weiter ab und fiel zwischenzeitlich auf ein 10-Monatstief bei 1.160 US-Dollar pro Unze, bevor er sich von diesem Niveau wieder erholen konnte. Belastend wirkten dabei positive US-Konjunkturdaten, welche den US-Dollar unterstützen und einen weiteren deutlichen Anstieg der US-Anleiherenditen zur Folge hatten. Diese sind mittlerweile auf ein 18-Monatshoch bei fast 2,5% gestiegen.

Zudem wirken anhaltende ETF-Abflüsse preisbelastend. Am Donnerstag verzeichneten die von Bloomberg beobachteten Gold-ETFs sogar den höchsten Tagesabfluss seit Juli 2013, der zum Großteil beim weltweit größten Gold-ETF SPDR Gold Trust in den USA stattfand.

Offenbar verkaufen derzeit hauptsächlich institutionelle Investoren ihre Papiergold/ETF-Bestände um Verluste an den Anleihemärkten auszugleichen. Denn während die Anleiherenditen steigen haben die US-Anleihenkurse im November den höchsten Monatsverlust seit 1990 verzeichnet.

Gold handelt aktuell bei 1.177,10 US-Dollar pro Unze.

Goldpreis in USD/Unze in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick
Während offenbar Papiergold verkauft wird um Verluste in den Anleihemärkten auszugleichen, zeigt sich dagegen die physische Goldnachfrage weiterhin überaus stark. So verzeichnete zum Beispiel die US-Münzanstalt im November mit 147.500 Unzen den höchsten Wert an verkauften Goldmünzen seit Juli 2015. Kurzfristig dürfte der Druck auf die Goldpreise also noch erhalten bleiben, aber mittel- bis langfristig wird die ökonomische Realität auch die Papiergoldnachfrage weiter anheizen und damit die Preise stärken.






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