Freitag, 24.02.2017
Pro Aurum Chartanalyse

Silber - “Buy the Dip”

Florian Grummes Chartanalyst

Florian Grummes Chartanalyst

Rückblick: Seit Anfang Juli stecken sowohl der Gold- als auch der Silberpreis in einer tückischen Konsolidierung. Unterm Strich sind die prozentualen Rücksetzer dabei absolut überschaubar geblieben, das ständige Hin- und Her dürfte aber die Nerven der Marktteilnehmer stark belastet haben. Genau so läuft eine Korrektur in einem Bullenmarkt häufig ab. Entweder gibt es das „die Treppe rauf, zum Fenster raus“ - Muster oder eben die nun gesehene zähe und verwirrende seitwärts laufende Streckfolter. Auch ich habe vor zwei Wochen bereits etwas zu früh ins Bullen-Horn geblasen, denn der Goldpreis kam in den letzten Tagen doch wieder sehr deutlich zurück und kämpft erneut mit seinem Aufwärtstrend.

Meine Einschätzung vor vier Wochen zum Silber war aber bis dato ein Volltreffer, denn der Bereich 18,00 – 18,50 USD wurde nur ganz kurz touchiert und hat uns damit eine sehr gute Nachkaufgelegenheit beschert. Letztlich lief der Silberpreis in einer immer kleiner werdenden Handelsspanne zwischen 18,50 USD und 20,25 USD seitwärts.

1. Silber in US- Dollar

2. Gold / Silber Ratio

3. Silberminen ETF

4.Co T-Report

5. Sentiment

6. Saisonalität

7. Silber in Euro

8. Platin

9. Paladium

10. Zusammenfassung

1. Silber in US- Dollar

Silber Monatschart:

Auf dem logarithmischen Monatschart für den Silberpreis braucht man schon fast eine Lupe, um die Bewegung der letzten drei Monate genauer studieren zu können. Das liegt aber nicht an der Auflösung des Charts, sondern vielmehr an dem nach wie vor im Dornröschen-Schlaf befindlichen Silbermarkt. Der Monatschart deckt die letzten 15 Jahre ab und zeigt dabei deutlich auf, zu welch immensen Bewegungen der Silberpreis im Stande ist. Vor allem der unterste Indikator, die „Bollinger Band Breite“ unterstreicht die derzeit vorherrschende extrem niedrige Volatilität bzw. Schwankungsbreite am Silbermarkt. Dies wird sich in den kommenden Jahren mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wieder ändern. Der Indikator deutet hier einen Trendwechsel bereits an. Allerdings dürfte erst der Ausbruch über die ehemalige (in rot gestrichelte) Aufwärtstrendlinie für einen deutlichen Anstieg der Volatilität sorgen.

Ansonsten hinterlässt der Chart trotz der roten Kerze für den Monat August sowie dem Abprallen an der ehemaligen Aufwärtstrendlinie ein eher konstruktives Bild. Nach wie vor halten die Bullen das Preisgeschehen in der Nähe des oberen Bollinger Bandes und könnten dieses mit dem nächsten Preisanstieg wohl nach oben aufbiegen. Dann wäre ein zweiter Angriff auf die ehemalige Aufwärtstrendlinie im Bereich 21,50 – 22,00 USD zu erwarten.

Allerdings hat das korrektive Kursgeschehen seit Anfang Juli mittlerweile zu einem Verkaufssignal bei der Stochastik geführt. Der „embedded“ Zustand wurde hier im Gegensatz zum Gold klar verfehlt. Das MACD Kaufsignal hingegen ist aktiv und läuft momentan ungefährdet nach oben.

Zusammengefasst hat die bullische Ausgangslage ein paar Schrammen bekommen, ist aber weiterhin intakt. Das übergeordnete Kursziel im Bereich um 26,00 USD, welches sich im letzten Dezember durch den Ausbruch aus dem fallenden Keil ergeben hat, bleibt nach wie vor aktiv und müsste bis zum Frühjahr 2017 erreichbar sein.

Im ganz großen Bild jedoch bringt erst ein Monatsschlusskurs oberhalb von 26,50 USD den entscheidenden Befreiungsschlag. Dann wäre der Weg in Richtung der Allzeithochs um 50,00 USD frei. Davon sind wir aktuell nach wie vor meilenweit entfernt. Silber verfügt damit langfristig über ein exorbitant hohes Potential und sollte in jeden Rücksetzer (wie aktuell) weiter akkumuliert werden.

Silber Wochenchart:

Auf dem logarithmischen Wochenchart korrigiert der Silberpreis seit Anfang Juli mustergültig oberhalb der Unterstützungslinie um 18,50 USD. Diese Zone war in den Jahren 2013 und 2014 schon einmal starke Unterstützung, bevor sie dann eineinhalb Jahre als harter Widerstand fungierte. Sie wissen „Widerstände werden zu Unterstützungen und umgekehrt“, insofern ist seit dem Ausbruch über 18,50 USD im Juni die Welt der Silberbullen hier stark unterstützt und oberhalb dieser Marke völlig ungefährdet bullisch.

Die Korrektur der letzten zweieinhalb Monate hat natürlich zu klaren Verkaufssignalen bei den Indikatoren geführt. Allerdings kann man argumentieren, dass hier lediglich die überkauften Zustände abgebaut wurden und im Grunde genommen bereits alle drei Indikatoren wieder bereit für eine neue Anstiegswelle wären. Der RSI jedenfalls notiert klar im neutralen Bereich, während die Stochastik das Verkaufssignal abgearbeitet und die neutrale Zone erreicht hat. Das Verkaufssignal beim MACD schließlich kommt bisher kaum vom Fleck und es benötigt hier nicht viel, um die Signallage wieder auf bullisch zu drehen.

In der Summe bleibt die Bewertung des Wochencharts bei „noch bullisch“, solange die Zone um 18,50 USD verteidigt werden kann. Erst ein klarer Wochenschlusskurs darunter würde den Bias auf bärisch drehen. Danach sieht es derzeit aber nicht aus. Vielmehr dürften sich die Marktteilnehmer nach der zähen Korrektur in Kürze auf die nächst höher gelegene Widerstandszone im Bereich um 21,60 – 22,20 USD konzentrieren. Mittelfristig bleibt ein Kursanstieg bis in den Bereich 25,00 – 26,00 USD das klar präferierte Szenario.

Silber Tageschart:

Nachdem der logarithmische Tageschart Anfang Juli doch deutlich überkauft und damit heiß gelaufen war, lässt sich nun ein eher gegenteiliges Bild erkennen. Zwar konnte man zuletzt noch nicht von einer extrem überverkauften Situation sprechen, aber alle drei Indikatoren präsentieren sich auf deutlich niedrigeren Niveaus, während sich das Preisgeschehen immer noch in sicherer Entfernung zur Unterstützungszone 18,00 - 18,50 sowie der Aufwärtstrendlinie (ca. 17,50 USD) bewegt. Bislang hat mein wahrscheinlichstes Szenario gegriffen, wonach der Silberpreis im Bereich 18,00 – 18,50 USD seinen Boden finden sollte.

Grundsätzlich positiv bleibt die Tatsache, dass die steigende 200-Tagelinie (16,76 USD) nach wie vor deutlich unter dem aktuellen Preisgeschehen verläuft. Allerdings ist der Abstand zwischen der 50- und der 200-Tagelinie doch recht groß. Hier würde eine Fortsetzung der Seitwärtskonsolidierung Abhilfe verschaffen können. Da sich zudem auf dem Tageschart ein Dreieck entwickelt hat, ist diese These nicht ganz abwegig und wir sollten daher nicht zu einseitig auf ein unmittelbar bullisches Szenario setzen. Die zuletzt im Juni getestete Aufwärtstrendlinie würde erst im Laufe des Oktobers in den Bereich 18,00 – 18,50 USD vordringen. Aktuell ist es jedoch nur schwer vorstellbar, dass diese Trendlinie gebrochen wird. Vielmehr sollte sie spätestens im Oktober das Sprungbrett für höhere Kurse darstellen.
Sollte es im Umfeld des morgigen US-Zinsentscheids zu einem Anstieg kommen, wäre das obere Bollinger Band (19,90 USD) das erste Kursziel. In Verbindung mit dem Dreieck könnte es hier zu einem nochmaligen Rückgang kommen.

Insgesamt kann der Tageschart aktuell nur mit „neutral“ bewertet werden. Allerdings fehlt nicht viel um kurzfristig ins Bullenlager zu wechseln. Da sowohl der Monats- als auch der Wochenchart bullisch sind, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch der Tageschart wieder auf bullisch und damit in den übergeordneten Aufwärtstrend dreht. Das Abwärtsrisiko bleibt überschaubar und liegt im schlechtesten Fall bei 18,00 USD.

2. Gold / Silber Ratio

Beim Gold/Silber-Ratio ist seit Anfang Juli analog zur Korrektur bei den Edelmetallen eine Gegenbewegung festzustellen. Diese hält sich bis dato aber klar unterhalb der Marke von 72 und lässt daher überhaupt keine Zweifel an der grundsätzlich bullischen Ausgangslage aufkommen. Vielmehr tanzt das Ratio zwar um seine 50-Tageline (68,11), verläuft aber deutlich unterhalb seiner langsam fallenden 200-Tagelinie (74,54).

Der Aufwärtstrend bei Gold und Silber gerät jedoch erst mit einem Anstieg über 76 ernsthaft in Gefahr. Davon ist das Ratio aber weit entfernt. Wahrscheinlicher ist ein baldiger Rutsch unter 65, welcher das Startsignal für den nächsten Aufwärtsschub vor allem am Silbermarkt signalisieren wird.

3. Silberminen ETF

Während Gold und Silber bereits seit Anfang Juli in einer Konsolidierung stecken, konnten die Silberminenaktien und hier stellvertretend der Global X Silver Miners ETF (SIL) am 12.August noch ein neues Hoch erzielen. Allerdings ging dieses Hoch mit klar negativen Divergenzen bei den Indikatoren MACD und RSI einher. Erfreulicherweise sind diese nun, nachdem der ETF zwischenzeitlich um knapp 22% gefallen war, aber abgebaut und bereinigt. Darüberhinaus nähern sich die Indikatoren jetzt erstmals seit Jahresbeginn der überverkauften Zone an. Damit bringt der laufende Rücksetzer ohne Zweifel eine Einstiegschance. Allerdings lässt sich noch nicht abschließend sagen, ob es nicht doch noch eine Etage tiefer gehen wird. Im schlechtesten Fall wären vorübergehend Kurse in der Nähe der steigenden 200-Tagelinie (32,94 USD) denkbar. Um 37,50 USD wartet jedoch bereits eine starke Unterstützungszone. Vermutlich liegt der „worst case“ also irgendwo zwischen 33,00 - 38,00 USD.

Angesichts der pessimistischen Stimmung und solange die Marke von 42,50 USD nicht mehr unterschritten wird, würde es mich aber nicht überraschen, wenn die Minenaktien ihre Tiefs bereits gesehen haben. Auf dem logarithmischen Tageschart lässt sich jedenfalls ähnlich wie auf dem Silberchart ein Dreieck konstruieren, welches typischerweise eine Konsolidierung auf hohem Niveau mit sich bringt und anschließend in Trendrichtung aufgelöst werden wird. Demnach sind Kurse unterhalb von 45,00 USD bereits Kaufkurse!

Zusammengefasst fehlen für eine bullische Trendwende noch die klaren Kaufsignale beim MACD und der Stochastik. Solange sich das Preisgeschehen innerhalb des Dreiecks bewegt, ist der Tageschart neutral. Kurse unterhalb von 42,50 USD dürften zu noch tieferen Preisen führen, während der bullische Ausbruch aus dem Dreieck bei einem Tageschlusskurs oberhalb von 47,50 USD bestätigt wäre.
Ich denke, die Minenaktien sind auf dem aktuellen Niveau ein Kauf!

4.Co T-Report

Die kumulierte Leerverkaufsposition der kommerziellen Händler betrug am Dienstag, den 13. September, bei einem Silberpreis von 18,87 USD genau 96.675 leerverkaufte Kontrakte auf den COMEX Silberfuture.

Damit hat sich die Lage etwas entspannt, aber natürlich liefert diese hohe Shortposition der Profis weiterhin ein antizyklisches Verkaufssignal bzw. zumindest ein starkes Warnsignal. Allerdings dürfen wir in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass die kommerziellen Händler in der Regel nur die Gegenposition zu den aggressiven Spekulanten eingenommen haben, schließlich muss auf jeden Käufer auch ein Verkäufer kommen. Letztlich treiben die Spekulanten den Preis, während die „commercials“ den Markt für die Aktivitäten der Spekulanten machen. Trotz der Korrektur seit Anfang Juli wetten die Spekulanten nach wie vor in hohem Maße auf weiter steigende Preise, während das smart money die Gegenposition einnimmt – sicherlich keine günstige Ausgangslage. Da sich Gold und Silber bisher aber auf hohem Niveau halten können, dürfen wir die Terminmarktdaten nicht überbewerten. Klar ist in meinen Augen nur, dass wir mittelfristig und damit auf Sicht von 6 - 10 Monaten nochmal einen deutlichen Rücksetzer an den Edelmetallmärkten bekommen werden.

5. Sentiment


Nach wie vor meldet sentimentrader.com einen leicht übertriebenen Optimismus unter den Edelmetallanlegern. Die Stimmungswerte für die Minenaktien sind aber bereits wieder in der antizyklischen Kaufzone. Gleichzeitig liegen bei der wöchentlichen Kitco-Gold Umfrage die Bullen und Bären unter den Kleinanlegern fast gleich auf, während die Profis schon wieder mehrheitlich auf steigende Preise setzen.

Insgesamt bleibt es leider bei einer unklaren Signallage, welche man wohl am besten mit „weder Fisch noch Fleisch“ umschreiben könnte. Das ist typisch für die Sentimentanalyse, welche meist eher schwammige Signale liefert und nur selten klar übertriebene Angst/Panik oder blinde Gier (z.B. Titelblattindikator) ermittelt. Dann aber funktioniert sie als Kontraindikator besser als jeder andere Analysebaustein.

6. Saisonalität

Saisonal betrachtet stehen die Ampeln für den Silbermarkt schon seit Anfang Juli klar auf grün. Stattdessen bewegt sich der Silberpreis in diesem Sommer bisher aber seitwärts und korrektiv.

Da das wichtige Frühjahrstief bereits Ende Mai und das Sommerhoch bereits Anfang Juli erfolgten, ist es nicht vermessen anzunehmen, dass auch das Herbsttief in diesem Jahr „früher als die Statistik“ stattfinden wird. Folgt man dieser Denkweise wären die nächsten ein bis drei Wochen für den Abschluss der Korrektur geradezu prädestiniert. Hält sich der Silberpreis nun hingegen wieder an den langjährigen Durchschnitt, könnte sich die Korrektur durchaus noch bis Ende Oktober erstrecken.

7. Silber in Euro:

Rückblick:
Die Korrektur beim Silber in Euro nahm wie erwartet ihren Lauf. Die Marke von 18,50 EUR wurde dabei nur kurz unterschritten. Anfang September folgte eine steile Erholung sowie ein nochmaliger Rücksetzer, welcher bis dato das August-Tief aber nicht unterbieten konnte. Die Korrektur ist bereits sehr weit fortgeschritten.

Euro-Silber Wochenchart:


In Euro gerechnet kann sich der Silberpreis trotz der Korrektur nach wie vor klar oberhalb der Unterstützung um 16,50 EUR halten. Zwar waren die letzten acht Wochen von einem Wechselbad der Gefühle begleitet, wirklichen Schaden konnten die Bären aber nicht anrichten. Während sie im August noch Druck ausübten und zwischenzeitlich sogar einen kleinen Panikausverkauf für sich verbuchen konnten, folgte ab Ende August zunächst eine scharfe aber kurzlebige Erholung. Die erneute Attacke der Bären führte aber zu keinen neuen Tiefs mehr, vielmehr schloss der Silberpreis in Euro am Freitag oberhalb von 16,80 EUR.

Dank dem etwas stärkeren Silberpreis in Kombination mit dem schwächeren Euro gelingt den Bullen ein sehr positiver Start in die neue Handelswoche. Damit könnte die Korrektur endlich abgeschlossen worden sein.

Auf dem logarithmischen Wochenchart jedenfalls haben die Indikatoren RSI und Stochastik ihre überkaufte Lage fast vollständig abgebaut. Lediglich das MACD Verkaufssignal ist noch klar aktiv. Können die Bullen den Preis auch weiterhin oberhalb von 16,50 EUR halten, steht einer erneuten Attacke auf die starke Widerstandszone um 20,00 EUR nichts im Wege.

Da bei den Indikatoren noch keine klaren neuen Kaufsignale vorliegen, muss der Wochenchart vorerst weiterhin mit „neutral“ bewertet werden. Es spricht aber trotzdem alles für einen steigenden Silberpreis in Euro.

Euro-Silber Tageschart:

Auf dem Tageschart ist die letztlich doch überschaubare und vor allem erwartete Korrektur der letzten zweieinhalb Monate gut abzulesen. Auch wenn es zwischenzeitlich im August für drei Handelstagen doch recht steil nach unten ging, so hat die Unterstützungszone um 16,50 EUR bislang klar gehalten.

Eine erste Erholung endet vorletzte Woche an der 50-Tagelinie (17,60 EUR). Der Wochenauftakt verläuft bislang vielversprechend. Schon in den nächsten Tagen sollten die Bullen erneut das Zepter übernehmen. Das erste Ziel der Erholung ist dann wieder die 50-Tageline (17,60 EUR) sowie das obere Bollinger Band (17,70 EUR), welches aktuell aber täglich etwas fällt.

Sollte sich der positive Wochenauftakt im Umfeld der amerikanischen Zinsentscheidung am Mittwoch aber als Fehlstart erweisen, muss nochmals ein Rückfall bis auf 16,00 - 16,50 EUR einkalkuliert werden. Neben der starken horizontalen Unterstützung verläuft hier auch das untere Bollinger Band (16,30 EUR).

Summa summarum ist noch keine eindeutige Entscheidung über das Ende der Konsolidierung gefallen. Daher ist der Tageschart aktuell lediglich „neutral“. Preislich ist die Korrektur aber vermutlich bereist abgearbeitet. Zeitlich könnte sie sich noch bis in den Oktober hinein ziehen. Kurse unterhalb von 16,00 EUR halte ich für äußerst unwahrscheinlich, vielmehr erwarte ich bereits in den nächsten Tagen eine scharfe Erholung.

Handelsempfehlung:

Das zuletzt genannte Nachkauflimit bei 16,50 EUR war ein Volltreffer. Zwischen dem 24. und 29.August hatten sie an insgesamt vier Handelstagen die Möglichkeit, Silber im Sommerschlussverkauf unterhalb von 16,50 EUR zu erwerben. Aktuell stehen die Notierungen schon wieder ein gutes Stück höher, das Nachkauflimit bei 16,50 EUR halte ich aber aufrecht.

8. Platin


Meine Einschätzung zum Platinpreis war vor vier Wochen doch zu optimistisch. Die Unterstützung bei 1.100 USD hielt dem Druck der Bären nur wenige Tage stand. Im Anschluss rutschten die Notierungen ohne große Gegenwehr bis zur nächsten Unterstützung um 1.050 USD. Hier meldeten sich die Bullen mit einer kurzlebigen und steilen Erholung bis an die 50-Tagelinie (1.102,40 USD) zurück. Nachdem dieses Niveau jedoch nicht verteidigt werden konnte, griffen die Bären erneut an und drückten den Platinpreis am vergangenen Freitag auf ein Zweimonatstief bei 1.006 USD. Dabei wurde die seit Februar intakte Aufwärtstrendlinie klar gebrochen.

Nun ist der Platinpreis mit diesem doch deutlichen Rücksetzer fast an der entscheidenden Unterstützungszone um 1.000 USD angelangt. Neben einer sehr wichtigen Trendlinie verläuft hier zusätzlich die steigende 200-Tagelinie (992,13 USD). Außerdem wirkt natürlich auch die runde Marke von 1.000 USD psychologisch unterstützend. Eine deutliche Erholung sollte daher in Bälde starten. Dementgegen steht derzeit noch das intakte MACD-Verkaufssignal. Die anderen beiden Indikatoren RSI und Stochastik melden aber zunehmend überverkaufte Zustände.

Der Rücksetzer an die 200-Tagelinie ist zunächst einmal gesund und stellt die übergeordnete Aufwärtsbewegung seit Anfang des Jahres (noch) nicht in Frage. Aufgrund der chancenreichen antizyklischen Ausgangssituation bewerte ich den Tageschart „vorsichtig bullisch“. Eine erste Erholungswelle könnte durchaus bis zur 50-Tagelinie und der Widerstandszone um 1.110 USD reichen. Kurse unterhalb von 980 USD wären hingegen sehr negativ und lassen zumindest eine noch tiefere Korrektur erwarten.

Handelsempfehlung:

Wir haben Platin unterhalb von 855 EUR gekauft und liegen trotz der starken Korrektur immer noch solide im Plus. Erst unterhalb von 880 EUR machen weitere Zukäufe Sinn.

9. Palladium

Nach dem steilen Preisanstieg im Juni und Juli konsolidiert der Palladiummarkt seit Mitte August die vorangegangenen Gewinne. Dabei bewegt sich der Rückgang in einem überschaubaren Rahmen. Ausgehend vom Top bei 747,50 USD fielen die Notierungen bis auf 648,00 USD um 13,3% zurück. Dieser Rücksetzer hat die überkaufte Lage vollständig bereinigt.

Ende letzter Woche konnte sich der Palladiumpreis bereits wieder ansatzweise erholen und notiert derzeit knapp über seiner 50-Tagelinie (683,78 USD). Ob die Korrektur aber tatsächlich schon ausgestanden ist, lässt sich noch nicht endgültig beantworten. Können die Bullen die 50-Tagelinie jetzt verteidigen, steht einem erneuten Anstieg bis auf ca. 725,00 USD eigentlich nichts mehr im Wege. Scheitern die Bullen hier aber, wird sich die Korrektur bis auf ca. 625,00 USD ausdehnen müssen.

In der Summe würde ich daher Palladium aktuell mit „neutral“ bewerten, denn das bestmögliche Aufwärtspotential ist mit 725,00 – 750,00 USD stark begrenzt, während gleichzeitig noch keine Trendwendesignale vorliegen und noch erhebliches Abwärtsrisiko vorliegt. Einen Ausbruch über die starke Widerstandszone 725,00 – 750,00 USD halte ich vorläufig für sehr unwahrscheinlich.

Handelsempfehlung:

Palladium bleibt bis auf weiteres eine Halteposition.

10. Zusammenfassung


Seit Anfang Juli stecken sowohl der Gold- als auch der Silberpreis in einer Konsolidierung/Korrektur, welche aber auf der Preisachse bereits mehr oder weniger ausgestanden sein dürfte. Kurse deutlich unterhalb von 1.300 USD beim Gold und unterhalb von 18,50 USD beim Silber sehe ich nicht mehr, allenfalls „intraday“-Schwankungen, um Stopps abzufischen.

Allerdings wäre eine Fortsetzung dieser verwirrende Seitwärtsphase durchaus noch bis in den Oktober hinein denkbar. Gleichzeitig könnte aber bereits am Mittwoch Abend der Startschuss für die nächste Rally fallen, denn die FED wird die Zinsen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht anheben (können).


Insgesamt spielen die Edelmetallmärkte seit Wochen einen gesunden Rücksetzer, welcher sich bereits im Spätherbst als gute Einstiegsgelegenheit erweisen wird. Insofern sollten sie die derzeit eher günstigen Kurse gemäß dem Mantra „Buy The Dip“ unbedingt nutzen.

Florian Grummes (Jahrgang 1975, geboren in München) widmet sich seit 1996 intensiv den Finanzmärkten sowie der technischen Chartanalyse und spezialisierte sich ab 2002 auf den Edelmetallsektor. Seine weltweit verfolgten regelmäßigen Gold- und Silberanalysen werden seit Oktober 2011 exklusiv von pro aurum unter www.proaurum.de veröffentlicht.






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