Dienstag, 17.01.2017
pro aurum Chartanalyse

Silber - Das sind klare Kaufkurse!

Florian Grummes Chartanalyst

Florian Grummes Chartanalyst

Während der Goldpreis in den letzten fünf Wochen eine selten gesehene Verlustserie aufs Parkett legte, konnte sich der Silberpreis trotz ebenfalls deutlicher Abgaben insgesamt etwas besser aus der „Bären-Affäre“ ziehen.

Reichte es in der US-Wahlnacht noch für einen zwischenzeitlichen Spike bis knapp an die Marke von 19,00 USD, folgte Silber dann aber doch dem Weg des Goldes und brach ab dem 11.November zunächst scharf bis auf 16,12 USD ein. Das Tief vom Mai dieses Jahres bei 15,81 USD wurde dabei jedoch bis dato nicht unterboten. Vielmehr war seit dem 23.November zunächst eine Stabilisierung klar oberhalb von 16,00 USD zu beobachten, auf welche in der letzten Handelswoche immerhin eine erste Erholungsbewegung folgte, die sich zum Wochenbeginn zunächst fortsetzte.

Insgesamt stehen aber sowohl Gold als auch Silber seit Anfang Oktober unter starkem Druck und lassen eindeutige Signale einer Trendwende bisher vermissen.

Silber Monatschart:

Auf dem logarithmischen Monatschart kann sich der Silberpreis trotz der fünfmonatigen scharfen Korrektur noch immer oberhalb seines mittleren Bollinger Bandes (16,33 USD) halten. Ebenso wurde die breite Unterstützungszone zwischen 14,00 USD und 16,00 USD bislang nicht erreicht. Erst ein Unterschreiten dieser Zone würde einen Rückfall bis an das untere Bollinger Band (12,59 USD) aktivieren.

Während die beiden Signallinien des MACD-Indikators seit einigen Monaten seitwärts laufen, konnte sich das MACD-Kaufsignal vom Jahresanfang bislang problemlos halten. Gleichzeitig hat die Stochastik, welche im Sommer noch ein klares Verkaufssignal abgab, die neutrale Zone erreicht. Sollten wir uns in einem neuen Bullenmarkt befinden, besteht die berechtigte Annahme, dass sich die Stochastik um das aktuelle Niveau herum wieder auf den Weg nach Norden aufmacht. Ein weiterer Abfall bis in die überverkaufte Zone (also unter 30 bzw. 20) würde hingegen klar tiefere Silberpreise mit sich bringen. Der RSI verläuft weiterhin relativ aussagelos in der neutralen Zone.

Insgesamt hat sich das charttechnische Bild auf dem Monatschart seit Juli sicherlich nicht verbessert, sondern deutlich eingetrübt. Allerdings hat die Korrektur vor allem für den Abbau der zuvor stark überkauften Lage gesorgt, während der Silberpreis gleichzeitig immer noch deutlich über den Tiefs vom letzten Dezember (13,62 USD) notiert. Zwar nimmt die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Gegenbewegung nun jeden Monat zu, allerdings sind noch keine Trendwendesignale auf dem Chart zu erkennen. Die Bewertung des Monatscharts fällt daher neutral aus.

Im ganz großen Bild bringt erst ein Monatsschlusskurs oberhalb von 26,50 USD den entscheidenden Befreiungsschlag. Dann wäre der Weg in Richtung der Allzeithochs um 50,00 USD frei. Davon sind wir aktuell nach wie vor meilenweit entfernt. Silber verfügt damit langfristig über ein exorbitant hohes Potential und sollte in jeden Rücksetzer (wie aktuell) weiter akkumuliert werden.

Silber Wochenchart:

Auf dem logarithmischen Wochenchart ist das überschaubare Abprallen (das Tief lag bei 16,15 USD) an der wichtigen Unterstützung um 16,00 USD etwas besser zu erkennen. Der Blick zurück ins Jahr 2015 macht klar, dass diese Unterstützung jetzt unabhängig vom großen Bild zunächst halten müsste und sich Silber in den kommenden Wochen und Monaten mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder in Richtung der Widerstandslinie um 18,50 USD bewegen wird.

Alle drei beobachteten Indikatoren unterstützen diese These. Zwar fehlt beim MACD noch ein Kaufsignal, das dazugehörige Histogramm deutet die Trendwende aber zumindest ansatzweise an. Der RSI hat seinen überkauften Zustand vollständig abgebaut und notiert sehr tief mit viel Platz nach oben. Die Stochastik schließlich hat sich bereits seit Mitte Oktober in der überverkauften Zone eingenistet, ohne dass ihr der Wechsel in den eingebetteten trendverstärkenden Zustand gelungen wäre. Aktuell fehlt noch eine weitere schwache Handelswoche mit Werten unterhalb von 20, um diesen extrem bärischen Zustand doch noch zu erreichen. Sollte es im Nachgang zum FED-Zinsentscheid am Mittwoch aber zu einer deutlichen Erholung kommen, ist diese Gefahr vom Tisch.

Insgesamt sind die Aussichten für die kommenden Wochen und Monate also durchaus günstig. Auf die fünfmonatige Korrektur müsste mindestens einen Gegenbewegung folgen, deren logisches Kursziel bei ca. 18,50 USD liegt. Sollte das Tief bei 16,15 USD allerdings das Ende der gesamten Korrektur darstellen, liegt erstmals seit langer Zeit wieder ein höheres Tief auf dem Silberchart vor. Dies wiederum würde einen Aufwärtstrend charakterisieren. Verbindet man die beiden Tiefpunkte vom Dezember 2015 (13,62 USD) und November 2016 (16,15 USD) entsteht eine neue Aufwärtstrendlinie sowie ein neuer Aufwärtstrendkanal. Dieser Aufwärtstrendkanal würde letztlich doch wie ursprünglich erwartet Kurse im Bereich um 25,00 – 26,00 USD ab dem Frühjahr 2017 freigeben.

Erst bei Kursen unterhalb von 15,80 USD müssen wir die gesamte Aufwärtsbewegung seit Jahresanfang wohl als eine Bärenmarktrally klassifizieren.

Silber Tageschart:

Auf dem Tageschart sind erste Erholungstendenzen am deutlichsten sichtbar, denn seit dem Tief bei 16,15 USD konnte der Silberpreis immerhin bereits 1,15 USD zulegen. Dies hat zu einem neuen MACD-Kaufsignal auf sehr niedrigem Niveau geführt. Der Indikator hätte jetzt also jede Menge Platz nach oben. Außerdem hat der MACD das letzte Preistief nicht mehr ganz nachvollzogen, sondern liefert ein erstes zartes Pflänzchen namens „positive Divergenz“. Genau diese positive Divergenz tritt beim RSI-Indikator noch deutlicher zu Tage. Auch hier hat der Indikator das neuerliche Preistief im November nicht mehr bestätigt. Beides sind untrügliche Zeichen einer in Kürze bevorstehenden Trendwende bzw. deutlicheren Erholung.

Ungünstig hingegen ist die Tatsache, dass die Stochastik bereits ihre überkaufte Zone erreicht hat. Da das erste Kursziel in Form der fallenden 50-Tagelinie (17,43 USD) nicht mehr all zu weit vom aktuellen Preisgeschehen entfernt verläuft, dürfen wir vom Silberpreis zunächst keine großartigen Preissprünge erwarten. Hier verfügt der Goldpreis derzeit sicherlich über die deutlich bessere Ausgangslage. Denn während der Goldpreis aktuell mehr als 120 USD unterhalb seiner 200-Tagelinie (1.278 USD) verläuft, sind es beim Silberpreis derzeit gerade mal 0,75 USD. Zusätzlich treffen die Silberbullen bereits bei 17,28 USD auf das obere Bollinger Band, welches zum Wochenbeginn bereits als Widerstand fungierte.

In der Konklusion sollte das Ende der fünfmonatigen Korrektur in Kürze erreicht sein oder es wurde mit 16,15 USD bereits am 23. November erreicht. Das erste übergeordnete Kursziel liegt sowohl auf dem Tages- als auch auf dem Wochenchart bei 18,50 USD. Allerdings dürfte der Silberpreis zunächst nur schleppend in die Gänge kommen, da die Silberbullen im Bereich 17,30 bis 17,70 auf starke Widerstände stoßen. Das direkte Überwinden dieser Blockade wird mit der aktuell überkauften Stochastik sehr schwer. Es wäre also nicht überraschend, wenn in den nächsten zwei Monaten zunächst vor allem der Goldpreis ein Comeback feiert.

Florian Grummes (Jahrgang 1975, geboren in München) widmet sich seit 1996 intensiv den Finanzmärkten sowie der technischen Chartanalyse und spezialisierte sich ab 2002 auf den Edelmetallsektor. Seine weltweit verfolgten regelmäßigen Gold- und Silberanalysen werden seit Oktober 2011 exklusiv von pro aurum unter www.proaurum.de veröffentlicht.






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1 Antworten »

  1. Gute Analyse, wie immer. Vielen Dank!

Leserkommentare

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