Samstag, 11.02.2012

Goldmarkt-Spezial
Silber – Markttendenzen lassen weitere Zugewinne vermuten

Silber scheint weiter ein Hebel für freundliche Edelmetallpreise zu sein. Dieser kann letztlich über Investments in Silberaktien nochmals verstärkt werden. Umgekehrt sollten hier jedoch unbedingt Stopp-Kurse gesetzt werden um kurzfristige negative Markttendenzen entgegenzuwirken.

Silberbarren der Formation Metals Corporation

Silberbarren der Formation Metals Corporation

Fundamental gesehen sehen wir eher ein günstiges Marktumfeld durch weiter steigendes Netto-Interesse von Anlegern verbunden mit dem Vorteil, dass Silber sowohl ein günstigeres Ersatzinvestment für Gold ist als auch in der Industrie zum Einsatz kommt. Aufgrund der unsicheren Wirtschaftsrahmendaten ist ein Kursziel wohl eher Kaffeesatzleserei, verbunden mit der Charttechnik können wir uns aber durchaus bis Jahresende Kurse bei gut 21 USD vorstellen.

Fundamentalentwicklung:

Investoren waren seit 1990 bis 2005 über 16 Jahre Nettoverkäufer und deckten somit das Marktdefizit auf-grund zu geringer Minenproduktion durch Abverkäufe bestehender Lager-bestände. Hier-durch hatte Silber wenig Chancen auf ein nachhaltiges Kursplus und oszil-lierte im Wesentlichen zwischen 4 und 6 USD. Interessanterweise war 1997, das Jahr mit den höchsten Silberabverkäufen. gleichzeitig das Jahr, in dem Warren Buffets Berkshire Hatha-way einen Silber-bestand von 129,7 Mio. oz antizyklisch aufbaute. Umge-kehrt hatten hier andere Investoren geschätzte 325 Mio. oz verkauft! Seit diesem Jahr gingen die Netto-verkäufe tenden-ziell bis 2005 zurück. Hier hatten einerseits die pessimistischen Marktteilnehmer keine wesentlichen Bestände mehr, andererseits formierten sich neue Käufergruppen wie Buffet aber auch krisentechnische Käufer nach den 09/11 Anschlägen und dem Börsencrash zu Beginn des Jahrtausends. In 2006 waren nun erstmal wieder seit 1989 Nettokäufer am Markt zu verzeichnen. Allein die Tatsache dass derzeit wieder angemessene Gold/Silber/Edelmetallquoten in durchschnittlichen Portfolios von ca. 5 % diskutiert werden, würde eine Kursvervielfachung bedeuten. Zumindest sieht man das steigende Interesse der Käuferschichten bereits im steigenden Silberkurs der letzten Jahre.

Chart - Silver market balance

Die Silbernachfrage ist zuletzt in 2009 auf 641 Mio. oz gefallen was einem Rückgang von gut 8,6% gegenüber dem 2008 Wert von 701,2 Mio. oz entspricht. Die größte Rückfrage wurde im Bereich Photographie ver-zeichnet. Anderer-seits wird Silber aber auch verwendet für Schmuck und Silberware, Elektro-nik und Batterien, Dental- Medizintech-nik, Solaranlagen, Chemischen Katalysatoren und anderen Anwendungstechnologien. Die Nachfrage nach Schmuck und Silberwaren ist immer noch die größte am Gesamtanteil und ist ebenfalls gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen was an der Wirtschafts- und Finanzkrise und den hohen Silberpreisen lag – da machte manche Schmuckbesitzer doch lieber Kasse. Im Vergleich zum Einbruch in der Goldindustrie kam jedoch hier die Silberindustrie relativ glimpflich davon. Schmuck und Silberwaren entsprechen letztlich gut 35-40% der gesamten Silbernachfrage. Hier war noch vor gut 20 Jahren die Photoindustrie der größte Nachfrager, was jedoch durch den Siegeszug der Digitaltechnik starke Rückgänge nach sich zog. Da Silber als Substitut für Gold in Schmuck verwendet wurde, sank der Absatz in 2009 nur um 4 % auf gut 249,9 Mio. oz.

Ganz entscheidend für den Anstieg von Silber sind sicherlich die hohen Zuflüsse in ETFs. Seit 2006 gibt es nun hier adäquate Produkte für Investoren, die hiervon regen Gebrauch machen. In 2009 haben Investoren mehr als 151 Mio. oz zugekauft. Die Bestände summie-ren sich damit nun auf gut 464,9 Mio. oz per 31.12.2009, ein Zuwachs von 48,1% p.a.! Auch in 2010 haben vermutlich Investoren eher die zwischenzeitlichen Kursrückgänge auf ca. 16-17 USD als Kaufgelegenheiten genutzt und weiter aufgestockt. So sind allein im Januar/ Februar 2010 nochmals gut 10 Mio. oz Nettozukäufe zu verzeichnen gewesen.

Chart - ETF holding silver

Das Silberangebot besteht übrigens zu gut 70% aus der originären Minenproduktion, während der restliche Anteil im Wesentlichen aus der Zweitverwertung /  Einschmelzung und Wiederverkauf stammt. Bis 2007 waren ferner noch geringe Abverkäufe aus Staatsbeständen zu verzeichnen. Die Zweitverwertung (2007: ca. 256,8 Mio. Oz) wiederum stammt aus Schmuckbeständen, Silberwaren, Photographie, Elektronik, Chemischen Katalysatoren und Batterien. Interessanterweise haben viele traditionelle Schmuckbesitzer in Indien, dem Mittleren Osten und anderen Asiatischen Staaten den gestiegenen Schmuckpreis genutzt um mit Altsilber Kasse zu machen. Dies machte auch den Rückgang aus der Silberverwertung der Photoindustrie wieder wett.    

Mit entscheidend für das zukünftige Angebot sind natürlich einerseits der aktuelle Silberpreis bzw die Markterwartungen, andererseits aber auch die Produktionskosten. Diese beinhalten als Cash Costs die direkten Minenaufwendungen sowie Schmelz- und Gießkosten als auch Transportkosten, Arbeits- und Energiekosten. Die Cash Costs sind dabei in den vergangenen Jahren gestiegen, was zeigt, dass es immer schwieriger wird Silber günstig abzubauen. Durch den steigenden Silberpreis wurden bzw. werden nun aber auch Minen wieder geöffnet oder neu gegründet, die im Vergleich zu existierenden Minen höhere Kosten haben, die durch den gestiegenen Silberpreis aber weiter rentabel sind. Die primären Silber Cash Costs waren in Q1-Q3 2009 bei 5,70 USD, in 2008 bei 5,30 USD, in 2007 bei 4,25 USD und 2006 bei 3,81 USD.

Im Vergleich zum nun deutlich gestiegenen Silberpreis sind hier nun aber verhältnismäßig die Bruttomargen sogar gestiegen und machen den Silberabbau für Produzenten sehr interessant. Des Weiteren ist Silber zu 70-80% ein Neben- oder gar “Abfall“-Produkt anderer Erzproduzenten. Für diese ist Silber daher einfach ein positiver Nebeneffekt, der von vornherein niedrigere Cash Costs hat, da die Minenkosten dem Hauptprodukt wie Gold oder Kupfer zugeschlagen werden. Manche Minen produzieren übrigens auch zu Cash Costs von mehr als 10 USD, aber das sind eher die Ausnahmen. Den Cash Costs von 5,70 USD standen nebenbei bemerkt durchschnittliche Silberpreise von 13,71 USD gegenüber, d.h. beim aktuellen Kursniveau ist Silber umso attraktiver für die Produzenten.

Chartanalyse
Silber war zuletzt in 2009 (37,1%) und 2010 weniger volatil als noch im Krisenjahr 2008 (51,9%). Dies zeigt die Schwankungsfreudigkeit des Metalls auf und die Abhängigkeit von der Entwicklung als Krisenwährung wie auch als Industriemetall.

Der Silberpreis ist weiter auf Erholungskurs und scheint weiter um die 17 USD zu konsolidieren. Solange diese Marke hält, ist ein Anstieg auf 19 USD in den nächsten Wochen durchaus möglich. Sollte sich das Marktumfeld weiter positiv darstellen, besteht weiteres Aufwertungspotential, insbesondere auch für die Silberminen. Hier kann sich der Investor zunächst an die größeren Werte wie Hecla Mining, Pan Amerian Silver, Silver Wheaton oder auch Silvercorp Metals halten. Beimischen sollte man dann auch kleinere Titel mit größerer Hebelwirkung wie Fortuna Silver, Minco oder auch Great Panther. Interessant könnte über die nächsten Monate auch Silvermex Resources werden.






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