Goldmarkt-Spezial
Silberreport
Alle Welt redet von Gold. Nur wenige richten ihr Augenmerk auf den „kleinen Bruder“ Silber. Dabei herrschen bezüglich des weißen Metalls die gleichen Bedingungen wie für Gold. Für einige Aspekte gilt dies sogar noch in einem viel höheren Maße, was Silber für den Anleger sogar weitaus attraktiver macht. Die Situation auf dem Silbermarkt ist geprägt von einem extrem abnehmenden Angebot gegenüber einer steigenden Nachfrage. Da 80 Prozent des geförderten Silbers als Nebenprodukt von Basismetallen wie Kupfer, Nickel, Zink und Blei anfallen, ist der Abbau des weißen Metalls von der Produktion dieser Basismetalle abhängig. Das bedeutet nicht nur, dass ein Angebotsrückgang der Basismetalle den Silber-Abbau erheblich beeinträchtigt, sondern auch, dass eine steigende Nachfrage nach Silber oder ein Anstieg des Silberpreises nicht automatisch zu einer Ausweitung der Produktion führen würde. Das macht zwar das Angebot an Silber sehr „unelastisch“, ist aber für Anleger eine enorm günstige Ausgangslage.
Die Nachfrage nach Silber stammt zu mehr als 90 Prozent aus der fotografischen, technischen, medizinischen, elektronischen und der Rüstungsindustrie. In den letzten 20 Jahren lag die industrielle Nachfrage nach Silber bereits weit über der weltweit geförderten Menge – mit weiter zunehmender Tendenz. Hinzu kommen sich weiter ausdehnende Anwendungsgebiete, vor allem in der Medizin und Fotovoltaik, und eine wachsende Mittelschicht in den Emerging Markets, die in der Lage ist, sich mehr und mehr Silberschmuck zu leisten. Ebenfalls erst in den letzten Jahren zugenommen hat das Interesse von Investoren. Hier kommt zum Tragen, was bei Gold für jeden erkennbar auf der Hand liegt: Silber ist auch ein Edelmetall, das einen eigenen Wert besitzt und damit eine Absicherung gegenüber dem Werteverfall von Geld bietet. Die nebenstehende Grafik zeigt den deutlich steigenden Silberpreis der letzten fünf Jahre.
Vergleicht man die Entwicklung des Silberpreises der letzten vierzig Jahre mit der des Goldpreises, fällt auf, dass der Silberpreis im Gegensatz zum Goldpreis den Höchststand vom Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts (fast 50 USD/Unze aufgrund einer Jahr-hundertspekulation der Gebrüder Hunt) noch nicht wieder erreicht hat. Zurzeit notiert er bei 18,17 USD/Unze.
Dies legt die Vermutung nahe, dass Silber gegenüber Gold deutlich unterbewertet ist. Bestätigt wird diese Vermutung durch einen Blick auf die Gold/Silber-Ratio (Verhältnis des Gold- zum Silberpreis). Zurzeit liegt diese bei 1:65, was bedeutet, dass 65 Unzen Silber so viel wert sind wie eine Unze Gold. Wie an der oben stehenden Grafik zu erkennen, lag die Ratio bis in die achtziger Jahre des vorletzten Jahrhunderts bei 1:15. Als der Gold- und der Silberpreis hundert Jahre später (Anfang 1980) ihre historischen Höchststände erreichten (850 USD/Unze für Gold gegen 50 USD/Unze für Silber), war das gleiche Verhältnis (1:15) auszumachen.
Eine inflationsbereinigter Verlauf des Silberpreises (nach einer britischen staatlichen Berechnungsmethode von 1980, die wesentlich genauer ist als die heutigen) zeigt am Ende keinen Preisanstieg und verdeutlicht so auf andere Weise augenscheinlich die Unterbewertung.
Warum ist Silber gegenüber Gold derart unterbewertet? Zum einen konnte die industrielle Nachfrage bisher aus den vorhandenen Lagerbe-ständen noch gedeckt werden. Das ändert sich gerade: 2009 lag die weltweite Minenproduktion bei 553,9 Mio. Unzen. Für 2010 wird die Nachfrage von Experten bei 631,2 Mio. Unzen gesehen. Silber ist also knapp. Zur Deckung der Angebots-lücke bleiben dann nur noch Recycling, Ein-schmelzungen sowie institutionelle Verkäufe. Regierungen besitzen so gut wie keine physischen Bestände an Silber mehr.
Da Silber zu über 90 Prozent von der Industrie verbraucht wird, genießt es zum anderen allgemein ein geringeres Ansehen. Das hat dazu geführt, dass Investoren sich eher auf Goldinvestments konzentrieren. Erst seit wenigen Jahren gerät Silber in den Fokus der Wertpapierbörsen. Da die auf dem Papier gehandelten Silberwerte die physisch vorhandenen Vorräte bereits heute übersteigen, schlummern hier erhebliche Gewinnchancen für die Anleger, die ihre Papierinvestments phy-sisch hinterlegen.
Zuletzt führte die „Herabstufung“ von Silber zu einem Nebenprodukt dazu, dass es heute nur noch eine Handvoll Minen gibt, die ausschließlich Silber abbauen. Der Silberpreis notierte über lange Zeit drastisch unterhalb der durchschnittlichen Produktionskosten. Da das Produktionsausweitungspotenzial von Silber nicht primär vom Silberpreis, sondern vom Preis der Industriemetalle abhängt, produzieren viele Minen auf der Basis der totalen Kosten mit sehr geringen Gewinnmargen. Das führt bei Silberminenaktien zu sehr niedrigen Notierungen. Sobald die Investoren das Aufholpotenzial von Silber realisieren und verstärkt investieren, werden die Silberminenaktien nachziehen und damit die Gewinnmargen signifikant steigen.
Der Silberpreis steht kurz vor einem fulminanten Preisausbruch nach oben; ein erster Anstieg ist bereits zu erkennen. Die Chartanalyse impliziert ein mittelfristiges Kursziel von 30 US-Dollar je Feinunze. Dies zeigt sich an der Ausbildung des typischen Dreiecks am Ende einer längeren Konsolidierungsphase (siehe Abbildung untere Grafik). Seit dem ersten starken Ausbruch des Silberpreises auf 19,47 US-Dollar je Feinunze im November letzten Jahres arbeitet sich dieser wieder deutlich nach oben. Die aktuelle Preiskurve liegt knapp unter der langfristigen Widerstands-linie und wird diese in Kürze überschreiten. Dies bestätigt auch die Entwicklung der lang-fristigen im Verhältnis zu den kurzfristigen Durchschnittspreisen, wie sie aus dem Trendfolger-Index MACD (Moving Average Convergen-ce/Divergence) hervor-geht. Charttechnisch sieht Silber also weiter interessant aus und unterstützt die funda-mentale Unterbewer-tung des Edelmetalls.
Fazit: Silber hat weiter ein großes Nachholpotential. Investoren sollten daher das Edelmetall zu Goldinvestments beimischen. Abgesichert durch die Industrienachfrage sowie als sicheres Krisenmetall sollte Silber in den nächsten Jahren weiter stark nachgefragt werden und dem Anleger viel Freude bereiten.
Schlagworte: Basismetalle, Elektronik, Emerging Markets, Fotografie, Goldpreis, Medizin, Rüstungsindustrie, Silber, Silbernachfrage, Silberpreis, Silberschmuck, Technik
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