Dienstag, 22.05.2012

Bilanz der Aktienmärkte
Wie sieht das zweite Halbjahr aus?

Eine turbulente zweite Wochenhälfte dürfte bevorstehen.

Doch bevor wir darauf kommen, ein Blick auf das erste Halbjahr 2009.  Die Bilanz an den internationalen Aktienmärkten sieht wie folgt aus:

- DAX +-0%

- EuroStoxx -0,5%

- Dow Jones -4,5%

- S&P500 +1%

- NASDAQ +15%

- TSX +21%

- SMI Swiss Market Index -3,8%

- AEX +5%

- Nikkei +4,8%

- HangSeng Index +27%

- Shanghai +63%

- Shenzen +75%

- Taiwan +42%

- Jakarta (Indonesien) +67%

- Bovespa (Brasilien) +61%

- RTX Moskau +61% (in Euro)

Man sieht eindeutig, dass die Top-Performer des ersten Halbjahres in den Emerging Markets angesiedelt waren. Vor allem der chinesische Aktienmarkt ragte heraus.

Die Hoffnung der internationalen Investoren beruht anscheinend darauf, dass China als Zugpferd agiert und die globale Rezession mit seinem riesigen Konjunkturprogramm und seiner hohen Sparquote als erstes überwindet und den Rest des Planeten dann mitzieht. Doch ob dies sich im zweiten Jahr auch als die richtige Hoffnung/Spekulation herausstellt, ist unserer Meinung nach fraglich.

Denn: China lebte bislang vom Export, während die USA vom Konsum lebten. Die 70% des US-BIP basieren zum Teil darauf, dass die Amis Waren aus China gekauft haben. Dass aber auf den US-Konsumenten kein Verlass mehr ist, zeigten die jüngsten US-Daten (sofern sie nicht gefälscht waren, wie meistens). Dieser spart nämlich jetzt lieber anstatt weiter fleißig Hypotheken auf seine im Wert fallenden Häuser aufzunehmen und dafür weiter chinesischen Schnick-Schnack zu kaufen. Dass der chinesische Aktienmarkt so boomte ist daher wohl eher eine technische Gegenreaktion auf die heftigen Verluste des Vorjahres (neben China waren vor allem russische Aktien die Gewinner in HJ1, die ebenfalls 2008 brutal geschlachtet wurden) zurückzuführen.

Was wird uns also das zweite Halbjahr bringen?

Gut möglich, dass der wachsende Risikoappetit der Anleger und die vergleichsweise günstige Bewertung in Asien das Geld weiter dorthin treib. Die chinesischen Banken dürften das Feuer ebenfalls am lodern halten. Da diese in der Finanzkrise so gut wie nichts verloren haben und die chinesische Bevölkerung eine riesige Sparquote von 40% vorweisen kann, vergibt man munter neue Kredite.

Nach chinesischen Schätzungen (denen man aber ebenso wenig trauen kann, wie den US-Daten) sind gut ein Fünftel der Bankkredite an Private an die Börse geflossen – das wären knapp 170 Mrd. USD!

Wie lange dies gut gehen wird, bleibt daher abzuwarten.

Diese Woche Entscheidungsschlacht: Wer hat Recht? Rentenmarkt oder Aktienmarkt?

Wir bevorzugen weiter eine aktive Tradingstrategie. Doch aktuell bleiben wir ruhig und warten auf die mögliche „Entscheidungsschlacht“. Bis gestern sind alle Märkte im Gleichschritt gelaufen. Aktien- und Rentenmärkte bewegten sich seit einer Woche ebenso in die gleiche Richtung, wie die meisten Rohstoffe. Das ist kein gutes Zeichen! Denn der Rentenmarkt nimmt mit seiner erneuten Stärke nun eher wieder deflationäre Tendenzen vorweg, während die Aktien und Rohstoffe wohl auf eine Belebung der Nachfrage und ein Anlaufen der Wirtschaft spekulieren.

Deshalb warten viele Investoren, was die US-Arbeitsmarktdaten heute und morgen bringen werden. Man erwartet zwischen 363.000 und 395.000 weniger Erwerbstätige und einen Anstieg der offiziellen US-Arbeitslosenquote auf 9,6% (von 9,4%). Zudem erwartet man heute die KFZ-Verkäufe für Juni unverändert bei 7,4 Mio (Inland) und leicht schwächer bei 9,8 Mio inklusive Exporte. Morgen stehen dann neben den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfen, den durchschnittlichen Stundenlöhnen auch die Auftragseingänge der US-Industrie auf der Newsagenda, welche die Entscheidungsschlacht am Markt einleiten sollte.








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